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Kenneth Keniston, der gegenwärtig an der Yale University in New Haven Psychologie lehrt, erregte 1960 durch sein Buch „The Uncommitted. Alienated Youth in American Society“ Aufsehen. Er studierte darin die Hintergründe des mangelnden politischen und öffentlichen Engagements eines Teils der amerikanischen studentischen Jugend. Der Begriff „The Uncommitted“—die Unengagierten—ist seither in Amerika zu einem Schlagwort geworden. In jenem Buch kam Keniston zu ähnlichen Schlüssen und Einsichten, wie sie Mitscherlich in seiner „Vaterlosen Gesellschaft“ entwickelt hat. Während der folgenden Jahre trat Keniston immer mehr als ein Fachmann für Fragen der amerikanischen Jugend hervor. Seine Orientierung ist in einem weiten Sinne sozialpsychologisch. Henry A. Murray, David Riesman und Erik H. Erikson sind die Lehrer, die ihn am meisten beeinflußt haben.
In den acht Jahren seit dem Erscheinen von „The Uncommitted …“ hat sich—in den USA wie in vielen anderen Teilen der westlichen Welt—das Klima der studentischen Existenz in Richtung auf eine größere politische Aktivität und Radikalisierung hin gewandelt. Keniston scheint diesem Klima gerecht zu werden, indem er das vorliegende Buch den radikalen und engagierten Studenten widmet. Seine Induktionsbasis erscheint jedoch klein und—im Lichte gerade der Ereignisse der letzten Jahre—vergleichsweise nicht-repräsentativ: er beschränkt sich auf die psychologische Untersuchung einer kleinen Elite junger Radikaler. Es handelt sich hierbei um vierzehn Angehörige der „Neuen Linken“, die im Sommer 1967—dem sogenannten Vietnam-Sommer—als Führer bzw. Organisatoren des Widerstandes gegen den Vietnamkrieg hervortraten. Sie baten von sich aus um eine psychologische Untersuchung ihrer „Radikalität“ und stellten sich daher bereitwillig für längere Interviews zur Verfügung. Keniston betont wiederholt, daß er von der Reife, Einsatzbereitschaft und Intelligenz dieser jungen Leute beeindruckt war.
Auf Grund seiner Beobachtungen und Einsichten weist Keniston