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Anna Freud bezeichnet den deutschen Text ihres 1965 in englischer Sprache erschienenen Buches „Normality and Pathology in Childhood“ nicht als Übersetzung im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern als unabhängige Fassung. Bei dem Vergleich beider Texte, des englischen und des deutschen, fiel der Ref. auf, daß die deutsche Fassung anschaulicher und leichter faßbar ist, ohne die besondere Klarheit und Übersichtlichkeit des englischen Textes verloren zu haben. Das mag an der Deutschsprachigkeit der Ref. liegen, aber es bleibt ein Faktum, daß es sich hier nicht um eine bloße Übersetzung handelt, sondern daß wir ein in deutscher Sprache geschriebenes Buch vor uns haben. Das trägt dazu bei, daß die Lektüre dieses wichtigen Werkes dem deutschen Leser erleichtert wird, eine Lektüre, die nicht dringlich genug empfohlen werden kann. Da in dieser Zeitschrift eine eingehende Besprechung des englischen Textes erschienen ist (Psyche XX, 1966, Seite 143), soll hier nur eine kurze Wiederholung über Bedeutung und Inhalt des Buches gegeben werden.
Das komplizierte und durch neue Erkenntnisse und Erfahrungen steter Veränderung unterworfene Verhältnis zwischen Pädagogik und Psychoanalyse wird dargestellt; am Kriterium der gestörten Entwicklungsfähigkeit wird die Schwere der kindlichen Neurosen gemessen; die Methode der Kinderanalyse wird nicht nur als therapeutisches Werkzeug angesehen und dargestellt, vielmehr sieht die Autorin in ihr auch ein Instrument der Forschung, mit deren Hilfe kindliche Ursprünge psychischer Störungen des Erwachsenenalters genauere und differenziertere Klärung finden können. Die präverbale Phase, zu der wir durch Rekonstruktion der Kindheit aus der Erwachsenenanalyse nur beschränkt Zugang haben, erlebt durch die Verbindung einer Behandlung kleinerer Kinder mit den Direktbeobachtungen über längere Zeiträume unentbehrliche Ergänzungen. Unmittelbare soziale Feldbeobachtungen konnten mit den analytischen Erfahrungen auf diese Weise integriert werden. Um bei den psy