You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In der Beurteilung dieses erstmals 1939 und jetzt in der vierten Auflage erschienenen medizinischen Lehrbuchs kann man immer noch der Rezension seiner zweiten Auflage von 1950 zustimmen. Damals hieß es in dieser Zeitschrift, „daß es sich um ein Buch handelt, das von der neurologisch-organischen Seite her bedeutsame Beiträge zur Psychopathologie des Kindesalters bringt“ (Psyche IV, Juni 1950, Seite 50). Der Autor behandelt das weite Gebiet von den Folgen frühkindlicher Hirnschädigungen, den Zustandsbildern bei Hirnschädigungen über Epilepsien und Psychosen bis hin zu Neurosen, Erziehungsschwierigkeiten und Sprachstörungen ziemlich vollständig. Die Syndrome sind ausführlich beschrieben und lassen auch psychodynamische Hintergründe des Krankheitsbildes durchscheinen. Erstmals in dieser Auflage erscheint ein Beitrag von J.-H. Hufschmidt über das kindliche EEG.
Mit Zurückhaltung sollte der Leser jedoch psychologischen (nach der Methode „einer verstehenden Charakterologie“, Seite 108) und soziologischen Erklärungsversuchen gegenüberstehen, und mit Vorsicht sollte er sich einschleichende, Objektivität beanspruchende Vorstellungen über die Funktion der Familie und der Erziehung aufnehmen. Die Familie wird als der „ursprüngliche Rahmen“ angesehen, „in dem dem sich entwickelnden Kind Halt geboten wird, der es innerlich verpflichtet, der es aber gleichzeitig auch schützt“ (Seite 78). Damit verkennt der Autor, daß der Familie in eben diesem Rahmen auch erzieherische Zwangsausübung zufällt, mit der man freilich „nur das Gute will“, die aber gerade eine der wichtigsten Quellen des Psychopathogenen bilden kann. Stockerts Kasuistik selbst belegt diesen Zusammenhang unausgesprochen. Bei einer etwas systematischeren Berücksichtigung des Zwangsmoments im Verhältnis zwischen Familie und Kind hätte der Autor manchmal vielleicht nicht auf hereditäre Dispositionen zur kindlichen Psychopathologie zurückgreifen müssen. In dem Kapitel über „Erziehungsschwierigkeiten und ihre Periodik“ vermitt