You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Für W. Bräutigam ist Homosexualität „ein Wort, das nichts Einheitliches bezeichnet“. Er versucht, eine „klinische Typisierung der homosexuellen Erscheinungen, ihrer Ursachen und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen“ zu schaffen, u. a. um diskriminierende und entindividualisierende Pauschalurteile zu vermeiden (Seite 1 f.). Infolge der phänomenologischen und klinischen Orientierung gibt er eine „deskriptive, an den unmittelbar gegebenen Erscheinungen sich orientierende Krankheitsoder Verhaltenslehre“. Wenn die Psychoanalyse „Homosexualität als eine bestimmte, passive Einstellung (oder Anpassung) zum Vater definiert“, so würden damit „Motivationen und Ableitungen an die Stelle unmittelbarer Beschreibung gesetzt“ (Seite 15). Durch die allzu enge Fassung des Begriffs Sexualität kann Bräutigam auch regelmäßige infantile sexuelle Betätigungen nicht bestätigen. Er glaubt aber trotz Leugnung der kindlichen Sexualität „die psychoanalytische Behandlungsmethode praktizieren und sie als sich wandelnde Theorie bejahen“ zu können (Seite 14). Er unterscheidet (in Anlehnung an Benedetti):
So nennt er „gleichgeschlechtliche Handlungen, zu denen es … in den Entwicklungsjahren bei jungen Männern kommt, die sich im erwachsenen Alter dann aber heterosexuell verhalten“ (Seite 20). Sie sei insofern Nothomosexualität, als „der männliche Leib nur stellvertretend“ sei „für den in der Phantasie und in den Träumen eigentlich begehrten weiblichen Partner“ (Seite 21). Daraus könne man keine „Schwäche der männlichen Identität und eine Unsicherheit in der männlichen Geschlechtsrolle“ ableiten (Seite 25), da Terman und Miles doch bei Jungen und Mädchen um 16 Jahre „die ausgeprägt männlichsten und weiblichsten Testergebnisse“ erzielt hätten. Daß die Überbetonung des Geschlechtscharakters der Abwehr homosexueller Tendenzen entspringen kann, erwähnt der Autor nicht. In der Therapie genüge es, „die Verunsicherten zu beruhigen und zu führen“ (Seite 27), denn es „muß ve