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Der Berner Hirnpathologe Grünthal, der 1957 in seiner „Geschichte der makroskopischen Morphologie des menschlichen Großhirnreliefs“ beachtliche Beiträge zur Entwicklung der Idee einer Lokalisierung psychischer Funktionen geleistet hat, liefert für die Schriftenreihe „Erfahrung und Denken“ eine historische Übersicht über das Leib-Seele-Problem. Ausgehend von den Vorsokratikern und mit Aristoteles nimmt der Autor sein Problem ernsthaft erst mit dem 17. und 18. Jahrhundert auf, um den Fragenkreis dann mit dem 19. und 20. Jahrhundert phänomenologisch auseinanderzusetzen. Das Mittelalter, das auf der Folie der De anima-Tradition eine besonders differenzierte Ausbeute hätte bringen können, ist übergangen worden. Der Autor beschränkt sich, will man nicht Montaigne zum Mittelalter rechnen, auf ein paar lockere Gedankengänge des Thomas von Aquin. Die arabische Philosophie wird in einem Absatz innerhalb des Altertums besonders herausgestellt, wobei offensichtlich der einzige angeführte Name, der des Avicenna, sowohl der chronologischen Einordnung als auch der sachlichen Interpretation nach mit Averroes verwechselt wurde. Sieht man vom übergangenen Mittelalter und vom skizzenhaften Entwurf des Altertums ab, so wird einem der Überblick über die letzten beiden Jahrhunderte wertvolle Dienste leisten. Ein ausführliches Literaturverzeichnis informiert ebenso über die Felder Hirnforschung und Biologie wie auch über die moderne phänomenologische Einstellung zur Thematik.