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Es ist schwierig, ein Werk aus dem Nachlaß eines Autors zu besprechen, der zu Lebzeiten in seinem engeren Fachgebiet, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, literarisch und praktisch Bedeutsames geleistet hat. Man gerät hier leicht in Gefahr, das Werk entweder an den bisherigen Arbeiten zu messen, also das Werk zu hart zu beurteilen, oder vom Geleisteten auf den Wert des gegenwärtigen Buches zu schließen, also einem „Halo-Effekt“ zu unterliegen. Beide Fehler möchten wir nach Möglichkeit vermeiden. Der Verfasser benutzt die sog. „autobiographische Methode“ zur Erforschung der Reifung und Formung der Persönlichkeit. Dies ist an sich von Interesse, weil in der deutschen Psychologie dieser Erkenntnisweg nur selten beschritten worden ist. Ch. Bühler hat in den frühen dreißiger Jahren zum ersten Mal den „Menschlichen Lebenslauf als psychologisches Problem“ (Neuauflage 1955) beschrieben. Der Autor weist auf diese Anregung hin. Er nennt oder kennt jedoch nicht die zahlreichen psychoanalytischen Arbeiten zu diesem Thema von Freud bis zur Luther-Monographie E. H. Eriksons. Das mag eine Sache des Standortes sein, und man sollte die Unterlassung nicht unbedingt zum Gegenstand eines Vorwurfes machen. Weit gewichtiger ist, daß der Autor im methodischen Kapitel auch die relativ zahlreichen amerikanischen psychologischen Arbeiten zum Thema der Lebenslaufanalyse nicht diskutiert. So sind die Erörterungen der „Grundbegriffe“ und „Methoden“ einfach nicht mehr zeitgemäß. Dies wäre weiter nicht schlimm, wenn der Autor dem Ganzen den Anstrich des Essayistischen geben würde und nicht Ansprüche auf allgemeingültige Wissenschaftlichkeit erhöbe. So werden denn auch aus 11 autobiographischen Fällen Typen (religiöse, schöpferische, Traditions- und maskulo-feminine Typen) abgeleitet.
Soviel zur Kritik. Die auf 20 bis 50 Seiten ausgewerteten Autobiographien, Tagebücher und anderweitigen Dokumentationen sind ohne Zweifel interessant und geben über die besprochene Persönlichkeit Aufschluß. Die Biograph