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Dieser Essay attackiert am Exempel des Hamburger Völkerkundlers Walter Hävernick eine Wissenschaft, die sich bar methodologischer Skrupel zum Büttel einer traditionalistischen Pädagogik macht und zu stabilisieren versucht, was immer sie an repressivem Erziehungsverhalten vorfindet.
Hävernick, Professor an der Universität Hamburg, bemüht sich mit seinem Buch „Schläge als Strafe“ (welches Horn als Vorlage diente) um den Nachweis, daß das Schlagen zu Zwecken der Erziehung Teil der Sitte, daß Sitte Effekt der von der Schöpfung mitgegebenen Veranlagungen und mithin die Prügelstrafe gerechtfertigt sei.
Die von Hävernick angeführten empirischen Belege sind unbrauchbar. Zwar könnte es sein, daß bei einer sorgfältig angelegten demoskopischen Untersuchung ein hoher Prozentsatz deutscher Erziehungsberechtigter das Schlagen zur nützlichen Maßnahme erklären würde, indessen läßt sich den von Hävernick zwischen 1910 und 1963 erfaßten 668 Hamburger Familien — von denen zwischen 85 und 98 Prozent für die Prügelstrafe plädiert haben sollen — Repräsentativität nicht nachsagen, zumal Hävernick einiges unternommen hat, um abweichende Meinungen von vorneherein auszuschalten. Wenn er sich etwa vom „St.-Pauli-Bürgerverein von 1843 e. V.“ 22 Fragebogen ausfüllen läßt und lobend darauf hinweist, daß in dieser Gruppe die „Gefahr einer Infiltration anomaler Personen und anomaler Ansichten“ nicht bestehe, dann ist zu vermuten, daß ein Sample dieser Provenienz in signifikanter Weise traditionalistische Einstellungen produziert.
Die Übersetzung vermeintlicher Forschungsergebnisse in restaurative Empfehlungen geschieht bei Hävernick unreflektiert, Falsifikationsmöglichkeiten werden überspielt, die Ergebnisse werden selektiv interpretiert und zur Stützung des eigenen Konzepts von „Sitte“ herangezogen. Sitte — quasi der Projektionsschirm Hävernicks — ist ihm ein Instrument zur Objektivierung subjektiver Bedürfnisse, sie waltet als unumstößliche Verhaltensweise, oder wie Horn resümiert, als „die große a