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Dem Vernehmen nach „verkauft sich Erikson in Deutschland schlecht“. Das nimmt wunder. Nicht nur weil Erikson einer der wichtigsten Denker unter den heutigen Psychoanalytikern ist, sondern auch weil er einer der ganz wenigen analytischen Autoren ist, der in nicht-analytischen Arbeiten häufig zitiert wird. Tatsächlich ist eine Entwicklungspsychologie und eine Sozialpsychologie ohne die Rezeption des von Erikson herausgearbeiteten Konzepts von „Wachstum und Krisen der Persönlichkeit“ undenkbar.
Begrüßenswert ist, daß Eriksons Hauptwerk „Kindheit und Gesellschaft“ dem deutschsprachigen Leser in seiner erweiterten Fassung vorgelegt wurde. Erikson nannte es im Vorwort zur ersten Auflage „ein Reisetagebuch durch Begriffe“, und es dürfte vielen zum analytischen Mentor geworden sein und anderen noch werden.
Über die Erweiterung sagt der Autor: „Soweit Änderungen vorgenommen wurden, habe ich vor allem einmal die Passagen korrigiert, die ich beim Wiederlesen selbst nicht ganz verstand. Zweitens habe ich Beschreibungen und Erklärungen erweitert oder verbessert, die von Studierenden, gleichgültig welcher Fakultät, häufig mißverstanden wurden, oder in bezug auf die wiederholt Fragen auftauchten. Längere Hinzufügungen finden sich vor allem am Ende des ersten Teiles und vielfach im dritten Teil.“ (1. Teil: Die Kindheit und die Modalitäten des sozialen Lebens; 3. Teil: Das Wachstum des Ich; Ref.) „Schließlich habe ich noch einige Fußnoten beigefügt, die sich kritisch mit dem befassen, was ich vor eineinhalb Jahrzehnten schrieb, und auf meine späteren Arbeiten Bezug nehmen, die die Themen Weiterführen, die ich damals anschnitt.“
Eine solche sehr gründliche Weiterführung und Durcharbeitung gibt nun das Werk „Der junge Mann Luther“ ab. Hier stellt Erikson exemplarisch die Identitätskrise eines jungen Menschen an einem historischen Beispiel dar. Der Übergang eines Adoleszenten in die Intimität und schöpferische Leistungskraft des Mannesalters wird vor dem lebensgeschichtlichen wie vor dem