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Zum VI. Kolloquium der Internationalen Gesellschaft für Psychopathologie des Ausdrucks hatte der deutschsprachige Zweig nach Linz geladen. In den drei Tagen vom 26.—28. September lief ein Staccato von kaum integrierbaren Vorträgen ab, deren Höchstdauer von meist zehn Minuten durch aufleuchtende Warnlampen und Abschalten des Mikrophons garantiert wurde. 25 Vorträge wurden mit zusätzlichen Kurzfilmvorführungen täglich dicht an dicht gereiht. Das Organisationskomitee hatte für einen pünktlichen Ablauf gesorgt, eine großartige Leistung, wenn man das kardinale narzißtische Symptom der Redner, nämlich die ebenso übliche wie lästige Zeitüberschreitung bei Vorträgen kennt. Dennoch blieb auch dieses Kolloquium nicht vom typischen Desaster zahlreicher Kongresse verschont. Der Aufbau jeder Tagung entscheidet über ihre bewußtseinsverändernde bzw. kreative Wirkung ebensosehr wie das, was inhaltlich geboten wird. Die Struktur dieses Kolloquiums erfordert also ebenso starke kritische Aufmerksamkeit wie sein Inhalt.
Das VI. Kolloquium stand unter dem allzu umfassenden Thema „Psychopathologie und Kunst“. Das war auch nach Auffassung der Initiatoren sehr kühn, da weder „Psychopathologie“ noch „Kunst“ befriedigend definiert werden können—geschweige denn deren Verhältnis zueinander. Nun lädt ein solches gleichermaßen pauschales wie unbestimmtes Thema zu sehr heterogenen Beiträgen ein. Dieser Gefahr hätte durch eine besondere Organisation begegnet werden müssen. Das geschah nicht. Das Ergebnis war, daß das Kolloquium unbewußt ausdrückte, was es bewußtzumachen versuchte. Durch die kaleidoskopischen und gedrängten Vorträge näherte sich das Kolloquium selbst jenem psychopathologischen Ausdruck, den es zu klären versuchte. Die ausufernde Vielzahl der Vorträge zeigte jenen Drang zu lückenlosem Ausmalen, die nebeneinandergestellten, kaum zu vereinbarenden Einzelbeiträge jene Isolation der Elemente, die rigorose Begrenzung der Sprechdauer jene zwanghafte Figuration, die zeitlich von vornherein