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Daß Sigmund Freud auch der neueren deutschen Literaturgeschichte dank der Ausdruckskraft seines Stils und der Luzidität seiner Darstellungsweise zuzurechnen sei, ist immer wieder hervorgehoben worden. Walter Muschg und Walter Jens haben erste Versuche vorgelegt, das literarische Phänomen Freud näher zu bestimmen. Der literarische Rang des Verfassers von „Totem und Tabu“ ist heute weithin unbestritten. Es blieb Aufgabe der Literaturwissenschaft, die Besonderheiten dieses literarischen Phänomens genauer sichtbar zu machen.
Dies eben hat Walter Schönau versuchen wollen. Er fragte sich: „Was ist dieses Bewundernswerte an Freuds Stil? Hält das allgemeine Urteil einer stilkritischen Nachprüfung stand und wenn ja, wie läßt es sich genauer begründen?“ (Seite 5).
Bei Beantwortung der selbstgestellten Fragen bereitete er sich jedoch insofern ein—unnötiges—Hindernis, als er eine etwas müßige These aufstellte: „Im Gegensatz zu Muschg möchte ich Freud nicht als Schriftsteller, der er ja nicht gewesen ist und der er auch nicht der Mit- und Nachwelt erscheinen wollte, sondern als Autor wissenschaftlicher Prosa darstellen“ (Seite 13).
Hier geht der Verfasser von veralteten poetologischen Vorstellungen aus. Sein Begriff vom „Schriftsteller“ ist einfach zu eng, allzu stark abgezogen von herkömmlichen Vorstellungen über die sogenannte „schöne Literatur“. Im selben Maße aber, wie heute die Grenzen verschwimmen zwischen den alten poetischen Gattungen, dann zwischen Fiktion und Nonfiktion, wird Schönaus etwas künstliche Unterscheidung gegenstandslos. Warum sollte jemand aufhören, ein Schriftsteller zu sein, wenn er sich irgendeiner Spezialwissenschaft verschrieb? Man kann Zoologe und Schriftsteller sein, Soziologe und Schriftsteller, von der Geschichtswissenschaft oder Philosophie ganz zu schweigen. Sollte man wirklich darauf verzichten, Nietzsche als Schriftsteller anzusehen, wenn er keine Gedichte geschrieben hätte? Oder Schopenhauer, der sich solche poetischen Produkte versagte?
Darum kan