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Dieser neue Briefwechsel, herausgegeben von Ernst L. Freud, stellt ein Zwiegespräch zwischen dem alten „Vater“ Freud und dem um etwa 30 Jahre jüngeren, bekannten
Schriftsteller Arnold Zweig dar. Das Gespräch wird 1927 von dem Jüngeren mit der Bitte eröffnet, Freud sein neu erschienenes Buch „Caliban oder Politik und Leidenschaft, Versuch über die menschlichen Gruppenaffekte, dargestellt am Antisemitismus“ widmen zu dürfen. Freud nimmt dies Anerbieten mit Dank an. Daraus entwickelt sich ein Briefwechsel, der immer persönlichere und vertrautere Formen annimmt und bis zum Tode Freuds anhält. Dieses gemeinsame Band, das sich nicht—wie der Briefwechsel mit Abraham—aus der gemeinsamen Berufserfahrung herleitet, ist vielfältig geknüpft und dokumentiert sich schon in der Anrede, die sich von „Sehr verehrter Herr Professor Freud“ zu „Liebster Vater Freud“ entwickelt.
Freuds Stil und sein Ausdrucksvermögen, das von zarter Herzlichkeit bis zu schroffer Wahrhaftigkeit reicht, machen das Lesen auch dieses Briefwechsels zu einem Genuß. Niemand wird es dem Referenten als Psychoanalytiker verdenken, wenn er sich mehr für den Briefpartner Freud interessiert, der von einem arbeitsreichen Alltag eingefangen und von Sorgen und Krankheit geplagt fast menschenfeindlich wirkt und doch zwischen den Zeilen erkennen läßt, was ihm z. B. die Verleihung des Goethepreises bedeutet, und wie sehr er am literarischen Schaffen seines Briefpartners Anteil nimmt.
Die Einstellung auf diesen Freud fällt A. Zweig offensichtlich anfangs nicht leicht. So schreibt Freud (S. 37), „es hat mich sehr gefreut, in Ihrem Brief den alten warmen Ton zu finden, obwohl ich in letzter Zeit nur Ablehnungen von mir gegeben habe“. Fast monumental erscheint Freud im Spiegel der wiederaufgenommenen Analyse A. Zweigs: „… und hinter den einzelnen Stunden taucht wie ein mächtiges verschleiertes Standbild Ihre Gestalt und Ihr Gesicht auf, das jenes alten Juden, der die Verdrängungen einer Menschheitsepoche nicht gefürchtet hat“