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Der vorliegende Band enthält eine Sammlung von Schriften und Vorträgen des Autors des „Buches vom Es“. Als Schöpfer des Begriffes „Es“ hat Groddeck einen Platz in der Wissenschaftsgeschichte der Psychoanalyse. Allerdings muß, für den Kundigen wohl eine Binsenwahrheit, klargestellt werden, daß Groddeck zum Inhaltlichen des „Es“, zur Problematik der Strukturen, zum Übergang vom topologischen
zum strukturellen Aspekt und zur Auseinandersetzung der Instanzen kaum etwas beigetragen hat. Auch der vorliegende Band ist vorwiegend als eine Sammlung von Publikationen von Interesse, die historisch am Rande der Entwicklung der Psychoanalyse situiert waren. Deshalb seien drei allgemeine Vorbemerkungen erlaubt:
Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Freuds Betrachtungen zu Leonardo, Goethe und Dostojewski stammen ungefähr aus derselben Zeit wie Groddecks Vorträge und Schriften. Es ist nicht nur der Unterschied der sprachlichen Meisterung, sondern vor allem des Problembewußtseins deutlich. Freuds Essays sind heute wie vor einem halben Jahrhundert mit Interesse und Genuß zu lesen, und zwar nicht nur, weil sie ein Stück des Gesamtwerkes Freuds darstellen. Groddecks Arbeiten über Ibsens Dramen muten uns liebenswürdig, naiv und antiquiert an.
Kulturgeschichtlich läßt sich die pathetische Verklärung des Unbewußten, Triebhaften und Erdverwurzelten etwa auf eine Linie von Wedekind zu Klages, dem Autor von „Der Geist als Widersacher der Seele“ bringen. Groddecks „Gottnatur“ ist pantheistisch und vitalistisch gefaßt.
Hinsichtlich der psychoanalytischen Theoriegeschichte gehört Groddeck in die Zeit der „Triebpsychologie“. Es klingen auch noch keine sozialen, soziologischen oder rationalen, ich-psychologischen Tendenzen an. Pointiert formuliert ließe sich sagen: Nicht wo „Es“ war, soll „Ich“ werden, sondern wo „Ich“ war, soll „Es“ werden, ist die Devise bei Groddeck. Der Herausgeber hat die Aufsätze und Vorträge in vier Abschnitte geordnet. Diese heißen: Göttnatur, Tragikomödie, Psych