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Jedem Analytiker ist die passiv-feminine Position seiner männlichen Patienten aus der Praxis bekannt. Um so interessanter wird es für ihn sein, die gleichen Schwierigkeiten bei berühmten Männern der Geistesgeschichte wiederzuerkennen, vor allem wenn deren Biographie und Persönlichkeit in einem so flüssigen Stil beschrieben und in leicht lesbarer Form dargebracht wird, wie es dem in Kanada als Psychotherapeut tätigen Autor in diesem Buch gelungen ist. Der Leser erfährt z. B., wie sich die schon von Hitschmann bei Schopenhauer festgestellte homosexuelle Einstellung auf dessen „Welt als Wille und Vorstellung“ auswirkt. Am Werk von Descartes wird aufgezeigt, wie im Ideal des „cogito, ergo sum“ die Frauenfeindschaft des Philosophen zum Ausdruck kommt,—nicht zuletzt als eine Folge des frühen Verlustes der Mutter im Alter von 2 Jahren.
In der Gestalt von Hedda Gabler aus Ibsens Drama stellt der Autor eine phallische Frau vor, wie sie typischer in der Literatur kaum zu finden sein dürfte. Die Studie über Tolstoi weist in dessen unversöhnlicher Moralität den auf die Ehefrau übertragenen Haß, der aus einer versagenden Mutterbeziehung stammt, nach.
Das Buch wird durch zwei Aufsätze über die Weiblichkeitsproblematik bei Kierkegaard und Goethe abgerundet. Des ersteren Furcht vor allem Geschlechtlichen wird auf eine homosexuelle Vaterbindung zurückgeführt, während der Autor in Goethe einen Menschen sieht, der die Frau verführt und sich dadurch schuldig macht (wie Faust mit Gretchen), der aber letztlich durch die Frau erlöst wird (Faust II).
Alle diese Interpretationen sollen dem Leser deutlich machen, wie wichtig es für den Mann ist, in einem einigermaßen harmonischen Verhältnis zur Frau zu stehen; dies sowohl in der Objektbeziehung wie in bezug auf die eigenen, femininen Persönlichkeitsanteile. Der Autor weist darauf hin, daß die ganze Menschheit ohne die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Wesen Gefahr liefe, sich selbst zu verlieren. Insgesamt handelt es sich bei dem Werk um ei