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Es darf als eine frühe psychoanalytische Einsicht gelten, daß das „seelische Leben“ von „Polaritäten“ beherrscht wird, daß es im Rahmen kontradiktorischer Gegensätzlichkeiten, etwa der Ich- und Sexualtriebe, des Lust- und Realitätsprinzips zu seiner Entfaltung wie auch zu seiner pathologischen Entgleisung gelangt. Freud nannte schon 1915 die drei fundamentalen, am Beginn der psychischen Konstitution stehenden Polaritäten:
Subjekt (Ich)—Objekt (Außenwelt),
Lust—Unlust
Aktiv—Passiv (Triebe und Triebschicksale, Ges. Werke Bd. X, 226).
Es muß aber eingeräumt werden, daß in der psychoanalytischen Theoriebildung die aus solchen Gegensatzpaaren erwachsende Dialektik für lange Jahre keine bedeutende Berücksichtigung gefunden hat. Erst die betonte Zentrierung auf die Phänomene der Gegenübertragung, erzwungen durch die Beschäftigung mit tief gestörten, tief regredierten Patienten, rückten die Zwei- (und Mehr-)Körperpsychologie (J. Rickman, M. Balint) und damit das Interaktions-Geschehen in den Vordergrund, womit in zunehmendem Ausmaß erkannt wurde, daß die Strukturierung wie die Modi seelischen Lebens und So-Seins im epigenetischen Sinn Ergebnis und Reflex zwischenmenschlicher Beziehungen, der Niederschlag des Schicksals von Partnerschaften, sind.
In jüngster Zeit wird von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß das dialektische Modell Hegels besonders geeignet ist, die inhärente Dynamik der von der Psychoanalyse zu berücksichtigenden antithetischen Positionen verständlich zu machen. Das kann im Grunde gar nicht anders sein, denn wie bei Hegel werden von der Psychoanalyse ja diejenigen Ereignisse, die der Bewußtwerdung des Geistes, der Konstituierung des Selbstbewußtseins zugrunde liegen, in bevorzugter Weise studiert. Die psychoanalytische Technik mußte deshalb von ihrem Ziel her eine dialektische Strukturierung erhalten: so wird zunächst der Konflikt von imkompatiblen, kontradiktorisch erscheinenden Gegensätzen zur Darstellung gebracht, bis schließlich die Gefahr, daß „die