You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Jean Biggar hat aus der Erfahrung einer fast zwanzigjährigen therapeutischen Tätigkeit mit Kindern und Eltern an der Davidson Clinic in Edinburgh ein Buch geschrieben, das die Versprechung des Untertitels voll erfüllt: es ist wirklich eine Einführung, ein—wenn auch nicht durchwegs systematisches—Lehrbuch; nicht nur für Studenten, für zukünftige Kindertherapeuten, Ärzte und Sozialarbeiter, sondern auch für Eltern, denen die Entwicklung ihrer Kinder Sorge bereitet oder die sich in der Ausübung ihrer elterlichen Funktionen nicht ganz sicher fühlen.
Nach einem einleitenden Kapitel über die psychotherapeutische Behandlung der Neurosen versucht Jean Biggar mit viel Behutsamkeit eine Reihe von Vorurteilen zu beseitigen, die Kinder ihren Eltern und Eltern ihren Kindern entgegenbringen—Vorurteile, die auf einer Fehleinschätzung der kindlichen Bedürfnisse, auf einer falschen Beurteilung der Fähigkeiten des Kindes durch die Eltern, auf Allmachtsphantasien der Eltern oder der Kinder beruhen. Es folgen allgemeine Überlegungen über die kindliche Entwicklung, über die Bedeutung eines ungestörten Selbstwertgefühls und über psychosomatische Zusammenhänge; ferner spezielle, mit zahlreichen kasuistischen Beispielen belegte Darstellungen einzelner Charakter- und Verhaltensstörungen (der Zweifelsucht und Entschlußlosigkeit, des Bettnässens, der Lernstörungen), wobei die unterschiedliche Bedeutung desselben Symptoms auf verschiedenen Entwicklungsstufen beachtet wird. Diskutiert werden vor allem erzieherische Fragen, z. B. die Anwendung körperlicher Strafen.
Bei dieser Fülle von Themen, die auf 142 Seiten abgehandelt werden, kann es nicht wundernehmen, daß manche Darstellungen kursorisch bleiben, mancher komplizierte Sachverhalt (etwa Fragen der Psychosomatik) simplifiziert wird. Das läßt für den Spezialisten viele Fragen offen, erleichtert aber dem Anfänger und dem Laien den Zugang zu manchmal recht spröden Themen—freilich um den Preis etlicher Unklarheiten in der Theorie, wie etwa bei der