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Knapper noch als Jean Biggar, aber systematischer und weniger von Emotion getragen,
beschäftigt sich der an der Hampstead Clinic arbeitende kubanische Arzt Humberto Nagera mit Problemen frühkindlicher Störungen und der infantilen Neurose. Seine theoretische Bemühung gilt zunächst einer Definition des Begriffes „infantile Neurose“. Es erscheint wichtig, diesen Begriff nicht auf alle frühkindlichen Entwicklungsstörungen auszuweiten—etwa auf den Hospitalismus und seine Folgen. Die infantile Neurose ist, wie Freud dargelegt hat, aufs engste mit dem Ödipus-Komplex verbunden und kann sich daher erst entwickeln, wenn die entsprechende Stufe der Libido-Organisation und der Objektbeziehungen erreicht ist.
Nagera unterscheidet klar zwischen Entwicklungsstörung, Entwicklungskonflikt, neurotischem Konflikt und infantiler Neurose. Er versteht unter Entwicklungsstörung die Reaktion auf ein massives Eingreifen der Umwelt in grundlegende Bedürfnisse und Rechte des Kindes. Solches Eingreifen kann zu Symptomen führen, die sich zwar nicht äußerlich, wohl aber metapsychologisch vom neurotischen Symptom unterscheiden, weil sie ihre Entstehung nicht dem Kompromiß in einem neurotischen Konflikt verdanken; die so definierten Entwicklungsstörungen entspringen zumeist einem Konflikt zwischen den Trieben des Kindes und seiner Umwelt. Entwicklungskonflikte dagegen spielen sich im Kind selbst, zwischen seinen Triebwünschen und den inneren Repräsentanzen der Umweltansprüche (Vorläufern des Überichs) ab: sie sind unvermeidbare Entwicklungsschritte auf dem Weg zur Strukturbildung. Als wichtigster und typischer Entwicklungskonflikt wird der Ödipus-Konflikt genannt. Der neurotische Konflikt wird durchaus als Strukturkonflikt verstanden. Er ist häufig die Fortsetzung eines nicht zeitgerecht und nicht günstig gelösten Entwicklungskonfliktes. Erst auf diesem Hintergrund kann sich die infantile Neurose als eine Störung viel komplexerer Art entwickeln, und zwar erst dann, wenn das Kind die phallisch-ödi