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Loewensteins Antisemitismus-Theorie ist erst nach 15 Jahren ins Deutsche übertragen worden — Symptom für die vielfältigen Prozesse der Derealisation, Verleugnung, Isolierung unserer Vergangenheit, die A. und M. Mitscherlich jüngst eingehend beschrieben haben.
L. gibt zunächst einen Überblick über die ihm bekanntgewordenen antisemitischen Reaktionssyndrome, verbunden mit Erläuterungen zur Genese dieser Typen. U. a. sucht er in diesem Zusammenhang das Verhältnis kollektiver Geisteskrankheiten zu individuellen paranoiden Psychosen und Phobien zu bestimmen. Sein Überblick über die antisemitischen Reaktionssyndrome stimmt in groben Zügen mit der in den Untersuchungen zur „Authoritarian Personality“ entwickelten Typologie überein.
L. analysiert die Wirksamkeit von Mechanismen wie Übertragung und Projektion und die Rolle der Furcht vor Schwäche für die antisemitische Reaktionsbildung, schließlich die Bedeutung von Triebunterdrückung und Unterwerfung unter die Autorität für das ambivalente Bild vom Juden:
„Der Umstand, daß die Juden für das christliche Kind die Stellvertreter seiner eigenen verdrängten Triebe und zugleich die Stellvertreter des gefürchteten, verachteten und dennoch geliebten Vaters sind, ist die Basis einer ersten Form von deutlicher Ambivalenz gegenüber den Juden. Die Ambivalenz besteht in einer Mischung von Haß, Furcht und Anziehung ihnen gegenüber“ (S. 35). L.s pessimistische Prognose über die Möglichkeit, innerhalb der christlichen Zivilisation den Antisemitismus wirksam zu bekämpfen, gründet sich auf seine Theorie vom Kulturpaar Judentum/Christentum. Die Christen verdankten den Juden ihre Religion; ohne die Hinrichtung Jesu, den „Gottesmord“, hätten sie keinen Gott. Daher seien ihnen die Juden zugleich Zeugen für die Wahrheit ihres Glaubens, Sündenböcke für (unbewußte) vatermörderische Regungen, auf jeden Fall aber unentbehrlich als Subjekte der Opferung, ohne die die Vergöttlichung des Menschen Jesu nicht möglich gewesen wäre. Der Gedanke, daß stellvertr