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Der Psychoanalytiker rechnet es sich zur Pflicht und Ehre, sein im Behandlungsraum gewonnenes Erkenntnisinstrumentarium an gesellschaftlichen Phänomenen und diese wiederum an jenem zu prüfen. Längst ist es darum üblich geworden, die benachbarte Disziplin der Soziologie zu Rate zu ziehen. Das Buch von Siberski Psychoanalytikern vorzustellen, bleibt dennoch ein Wagnis. Es stellt sich nämlich außerhalb der Kategorie von Fachliteratur, die uns Tatsachen und Interpretationen an die Hand gibt, die wir unserem Erfahrungshorizont bruchlos integrieren können.
Das soziale Phänomen Untergrund wird nicht beschrieben, sondern faktisch als bekannt vorausgesetzt. Mit Siberski zu sprechen: „Das Wissen von der Untergrundorganisation kann diese Arbeit nicht vermehren.“ Dies ist nun freilich ein für den Stil des ganzen Buches charakteristisches understatement; wir erfahren sehr viel Faktisches, aber nur nebenbei und so, als hätten wir es schon immer wissen müssen. Wußten wir, um nur ein Beispiel zu nennen, daß „mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung heute von Menschen und Organisationen regiert (wird), die aus dem Untergrund in den letzten fünfzig Jahren an ihre Machtposition gelangt sind?“
Geheimnis, symbiotische Bindung und Oppositionalität sind die Grundbegriffe, anhand derer Siberski den Untergrund über alle Besonderheiten hinweg strukturell zu bestimmen sucht. Diese drei Strukturelemente treten auch getrennt als soziales Verhältnis auf, aber sie sind zueinander affin und evozieren sich wechselweise. Das geteilte Geheimnis bildet eine kommunikative Wirklichkeit („des Kaisers neue Kleider“), die die an ihm Partizierenden nach außen abschließt und untereinander an eine Zusammengehörigkeit bindet, die in der Organisation konkrete Gestalt gewinnt und um dieser Konkretion willen verabsolutiert wird; die Organisation ist nun oberste Normierungsinstanz, die die generelle Normativität der Gesellschaft usurpiert und ihre Normen außer Kraft setzt. Je nach den Zielen der Organisation wird die