You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Balint skizziert die Entwicklung der Freudschen Trauma-Theorie: der Ersetzung des als real gedachten sexuellen Verführungstraumas durch infantile Inzest-Phantasien in der Ätiologie der Neurosen folgte die spätere Theorie von der Durchbrechung des Reizschutzes als einzige wesentliche Ergänzung (1920). Das Trauma als äußeres Ereignis wurde „ökonomisch“, das Trauma als subjektive Phantasie „strukturell“ erklärt. Nach einer Erörterung der jüngsten Diskussion, die die geringe Eignung des Trauma-Konzepts zur klinischen Diagnose herausgearbeitet hat, schlägt Balint eine (von Ferenczi angeregte) Drei-Phasen-Theorie des Traumas „im Felde der Zwei-Personen-Psychologie“ vor: Die 1. Phase ist die der vertrauensvollen infantilen Abhängigkeit vom Erwachsenen, in der 2. verstößt der Erwachsene drastisch gegen die Erwartungen des Kindes (Überstimulierung durch Zärtlichkeit oder Grausamkeit); es spielt sich eine leidenschaftliche Interaktion ein, die in der 3., traumatisierenden Phase vom Erwachsenen durch Abweisung abgebrochen wird. Anschließend werden Folgerungen dieses Konzepts für Therapie und Pädagogik angedeutet.