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Landauer trägt, ausgehend von der Wortbedeutung von „Dummheit“, die auf „Sinnesabblendung“ als auf deren Quelle hinweist, aus dem Erfahrungsmaterial der Psychotherapie und den Symbolgestaltungen der Literatur (Parsifal, Sancho Pansa) Baustein um Baustein zu einem widersprüchlichen Bilde des „Dummen“ zusammen. Es ist so widersprüchlich, weil Dummheit „die häufigste Neurose“ ist, weil verschiedenartige Wege psychologischer Entwicklung zum Resultat der Dummheit führen. Der entscheidende Mechanismus dabei scheint das Dumm-Werden, eine Form von Autotomie in Reaktion auf die Kastrationsangst zu sein. Im Charakterbild des Dummen finden sich entsprechend phallische Fixierung, Totalidentifikation mit dem Phallus („Hans im Glück“), Autoerotik, Oralität, Muskelerotik (Sport!) und Grausamkeit. Das dumme Kind ist Wunschbild seiner Eltern: sexuell unerfahren und—entgegen aller Erfahrung—nicht an ihrer Unfehlbarkeit zweifelnd. Dummheit ist so Resultat eines Herrschaftsverhältnisses, familial wie sozial; Landauer zögert nicht, zwischen zu kurz gekommenen Kindern (denen Zeit = Liebe vorenthalten wird) und sozialen Stiefkindern, den Bauern der Feudalgesellschaft, von denen die Märchen erzählen, eine Brücke zu schlagen. Der Kerngedanke von Landauers Essay, wonach Dummheit erworbene Unfähigkeit zur Erfahrung ist, fand in der späteren Vorurteilstheorie der „Frankfurt Schule“ seine Entfaltung**.