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Theodor W. Adorno ist im vergangenen Sommer, fünfundsechzigjährig, gestorben. Sein Denken speiste sich aus Traditionen kritischen Denkens, die durch die Namen Hegel, Marx, Nietzsche und Freud bezeichnet werden. Eine ganze Generation junger Soziologen und Philosophen ist mit der Psychoanalyse in ihrer strengen Gestalt zuerst als mit einer Komponente der kritischen Gesellschaftstheorie der „Frankfurter Schule“ bekannt geworden. Adornos Aufsätze und Passagen aus größeren Arbeiten, die, explizit oder implizit, die Freudsche Theorie zum Thema haben, sind für die erst beginnende Rezeption der Psychoanalyse als einer Ideologiekritik von außerordentlicher Bedeutung. (Wir haben die wichtigsten Fundstellen in der nachstehenden Bibliographie aufgeführt*.)
Der hier publizierte, von Rainer Koehne ins Deutsche übertragene Essay entstand im Zusammenhang mit den Studien über den autoritätsgebundenen Charakter. Indem Adorno Freuds 1921 konzipierte Theorie der Massenbildung zum Bezugsrahmen einer Analyse des Trick-Systems faschistischer Agitatoren macht (das Löwenthal und Guterman analysiert hatten), unterzieht er sie einer aktualisierenden Interpretation: Freuds Formel der Massenbildung erschließt auch die psychologische Dynamik der massenfeindlichen Massenbewegungen, der faschistischen „Volksgemeinschaft“, bei der es sich nicht um einen einfachen kfall auf archaische Formen von Vergesellschaftung handelt, sondern um die scheinhafte, „ferngesteuerte Regression“, um eine kalkulierte Veranstaltung für die Individuen der nach-individualistischen Gesellschaft. Deren Ichideal hält am Anspruch auf autonome Selbsterhaltung fest, während doch die soziale Selbständigkeit bürgerlicher Wirtschaftssubjekte, von der das moderne Ideal der Autonomie und der Spontaneität sich herleitet, geschwunden ist. Nur im Widerstand gegen soziale Verhältnisse, die in den Individuen das Gefühl der Ohnmacht hervorrufen und sie zur regressiven Massenbildung verleiten, kann jenes Ichideal sich gegenwärtig realisier