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1929 veröffentlichte Freud die Arbeit „Das Unbehagen in der Kultur“, in der er die Ursachen der Spannung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft untersuchte. Die Kulturenwicklung fordert vom einzelnen „Triebverzicht“, der Aggressionen weckt und unbewußte Schuldgefühle hervorruft. Diese stammen nicht aus den monotheistischen Religionen sondern aus dem „Vatermord“ der Söhne, der für Freud ein geschichtliches Ereignis („Totem und Tabu“), für den Autor in Übereinstimmung mit der Ethnologie, der Geschichte der Mythen und der Religionsgeschichte ein Vorgang ist, der sich während des Paläozoikums im Laufe von Jahrtausenden vollzog, verbunden mit dem wirklichen Tod des Vaters, der als magische Realisierung des alten ödipalen Wunsches nach Beseitigung des Vaters erlebt wird. Der Abschluß dieses Internalisierangsprozesses kennzeichnet etwa den Beginn des Neolithikums und führt zu tiefgreifenden Umwälzungen.
Der neugebildeten Vaterimago, deren positive Aspekte einen starken, gerechten, freien und gütigen Vater beinhalten, wird die bis dahin vorherrschende Beziehung zwischen dem Individuum und der Mutterimago untergeordnete. Die Projektion dieser Mutterimago in die Außenwelt wurde als eine allmächtige Wesenheit, Mutter Natur, verstanden. Der neue Zugang des Menschen zu seiner Umgebung brachte einen Übergang zu neuen Wirtschaftsformen — Ernte, Fischfang, Jagd, alles Gaben der Mutter Natur — mit sich, die auf die Kenntnis und Ausnutzung der Natur gegründet waren. Der Preis für diese Entwicklung war eine unbewußte Schuld diesem Vater gegenüber, dessen phantasierter Mord den Beginn der Geschichte eröffnet hatte. „Für das Unbewußte wird die geliebte und bewunderte Person, mit der man sich zu identifizieren wünscht (d. h. letzten Endes deren Kraft und Macht man sich aneignen will), real absorbiert, internalisiert …“, ein Vorgang, der in sich selbst ambivalent ist und Schuldgefühle verursacht.
Die immer schnellere Entwicklung der Wissenschaft, genauer der angewandten Wissenschaft,