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Man mag das Thema vor Lektüre des Taschenbuches für anachronistisch gehalten haben. Schwenger führt jedoch eine Traktatsintflut vor (79 sexualmoralisierende Schriften, die in Kirchen und kirchengebundenen Buchläden zum Kauf angeboten werden, z. T. in Millionenauflage), die eine zwar obsolete, aber in ihrer Breitenwirkung nicht zu überschätzende zweite antiaufklärerische Front neben der heute üblichen naturwissensaftlichen Abwehr der Sexualität (der Sexualkundeatlas der Bundesregierung z. B.) bildet, gegen die sie mit den ewigen Werten zu Felde zieht. Man gewinnt den Eindruck, daß der Autor das gut aufbereitete Material falsch einschätzt, wenn er angesichts der Traktätchen einmal vom „Bild kläglicher Larmoyanz“ (S. 55) spricht und meint, die Kirchen mit ihrer sexualfeindlichen Verklärung der Zeugung werden „über kurz oder lang vor dem letzten Gefecht“ stehen, und wenn er zum anderen den Wahrheitsgehalt dieses hilflosen, aber nicht harmlosen Gezeters nicht ernst nimmt. Zum einen sagt die Praxis der modischen Stoßtrupps zeitgenössischer Fleischeslust nichts über die Sexualpraktiken der Mehrheit aus, die sich wohl eher aus dem Bewußtseinsstand der von Schwenger kritisierten Literatur speist. Zum anderen: Die Überzeugung, „… Sexus für sich ist etwas aus einem größeren Zusammenhang Gerissenes, Isoliertes, das eben durch die Isolierung seinen eigentlichen Sinn eingebüßt hat …“ (Zitat aus einem Traktat von J. Fischer: Nicht Sex, sondern Liebe …, Hamburg , Schwenger, S. ) teilen auch linke, tatsächlich aufklärende Autoren, wenngleich sie Sexualität nicht in naturrechtlich abgesicherte ewige Werte eingebettet, sondern in ihren gesellschaftlichen Bezügen kritisch dargestellt sehen wollen. Trotz dieser doppelten Verharmlosung ist es gut, die teilweise verblüffende Brutalität und das Obszöne der Stimmen aus dieser sexuellen Provinz vorgeführt zu bekommen, so etwa den Katholiken Rödleitner (Reifende Liebe, Linz ), der meint, wer um Schuld und Sühne wisse (und gegen Schwangerschaf