You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Jugendalter, die Pubertät, ist auch heute noch ein Stiefkind der analytischen Psychotherapie. Deshalb erscheint es uns gerechtfertigt, der Rezension des obengenannten Buches eine kurze allgemeine Betrachtung vorauszuschicken. Das Jugendalter ist ein Zwischenstadium, wie E. H. Erikson es genannt hat — ein Moratorium zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Deshalb sind auch hier nicht mehr die Spieltechnik und ihre Variationen, wie beim Kinde, und noch nicht die klassische verbale Analyse oder ihre Parameter anwendbar.
A. Freud hat sich allerdings mehr theoretisch mit der Pubertät beschäftigt, A. Aichhorn hat schon sehr früh seine bekannte Kombination von Erziehung (Heilpädagogik) und Analyse der Verwahrlosten entwickelt, und H. Zulliger hat speziell für Jugendliche die „ambulatorische Therapie“, also eine Art „Nebenbei-Analyse im Gespräch während des Spaziergangs“ erfunden. Die Situation in der eigentlichen Entwicklungspsychologie, vor allem im deutschsprachigen Raume, ist nicht sehr viel anders. Noch heute wird E. Sprangers Buch über die „Psychologie des Jugendaltersals“ als ein Standard-Werk in der Ausbildung der Studienreferendare gebraucht. Die Erfahrungsgrundlage zu diesem Buch sammelte Spranger an den Gymnasien der frühen Zwanziger Jahre und an den Söhnen und Töchtern des Bildungsbürgertums. Nimmt es da wunder, daß diese Empirie nach einem halben Jahrhundert, nach politischen, sozialen und technologischen Revolutionen und Evolutionen nicht mehr gilt? Nach dem zweiten Weltkrieg wurden dann hauptsächlich soziologische Untersuchungen über die Jugendlichen publiziert, so z. B. Schelskys „Skeptische Generation“ oder Bednariks Buch über die Arbeiterjugend und erst kürzlich die von v. Friedeburg herausgegebene Sammlung in den Kiepenheuer & Witsch „Readings“ über die Soziologie der Jugend. Des weiteren existieren einige Untersuchungen über Spezialprobleme, so über die „Akzeleration“ von Steinwachs, dann der Vergleich des psychologischen Wertes von Tagebüchern pubert