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Beim Versuch bereits, den Haupttitel dieses Buches ins Deutsche übersetzen zu wollen, gerät man in beträchtliche Schwierigkeiten. Es sind solche der Sache selbst. „Mythopoesis“ etwa als „Mythische Dichtung“ anzukündigen, wäre ganz widersinnig, denn der amerikanische Literaturwissenschaftler und Psychoanalytiker Slochower — er ist Chefredakteur der „American Imago“ — forscht nicht irgendwelchen Mythen nach, sondern interessiert sich für deren — spätere — literarische Gestaltung. Auch möchte das vorliegende Buch ausdrücklich nicht, falls man die griechischen Bestandteile des Titels wörtlich nimmt, auf das „Machen“ von Mythen eingehen, sondern auf die — im weitesten Sinne — literarische Verarbeitung bereits existierender Mythen. Noch weniger dürfte man diese „Mythopoesis“ mit der Mythologie verwechseln. Die letztere ist, wenigstens in ihren Anfängen und Grundtendenzen, an der wissenschaftlichen Klassifizierung und Ordnung der Mythen interessiert, die Mythopoesis hingegen stellt einen künstlerischen Prozeß dar.
Diese künstlerischen Gestaltungen freilich mythischer Vorgänge haben ihrerseits, wie Slochower zeigt, wesentliche Rückwirkung auf die Wissenschaft, oder genauer: auf alle Wissenschaften vom Menschen. Durchaus zustimmend zitiert der Verfasser einen Satz von Sandor Ferenczi über die Zusammenhänge von psychologischer Forschung und Belletristik. Ferenczis Satz lautet: „Mir ist seit langem aufgegangen, daß man bei der Suche nach nützlichen Schriften über individuelle Psychologie nicht auf die wissenschaftliche Literatur zurückgreifen sollte, sondern auf die schöne Literatur“. Indem sich Slochower an diese Faustregel hält, gleichzeitig aber, um diese Forderung Ferenczis zu erfüllen, die philosophische Funktionsmethode Ernst Cassirers adoptiert, wonach jedes Werk der Kunst und Literatur durch seine funktionelle Beziehung zu anderen Werken der gleichen Gattung bestimmt wird, legt er seinem Buch einen so weiten und vielschichtigen Literaturbegriff zugrunde, daß sich Bedenk