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Die Aufhellung jener seelischen Prozesse, die sich in der Säuglings- und Kleinkindzeit abspielen, erfolgte jahrzehntelang von zwei Seiten her, die, obgleich mit demselben Gegenstand befaßt, zunächst kaum eine Möglichkeit hatten und suchten, die Forschungsresultate der einen Disziplin mit denen der anderen in Beziehung zu setzen. Auf der einen Seite standen die weitgehend auf Beobachtung gesunder Kinder beruhenden Ergebnisse der Entwicklungspsychologie, auf der anderen die Einsichten der Psychoanalyse, die sich zunächst auf die Kindheitserinnerungen erwachsener Patienten, später auch auf die Erfahrungen stützten, die aus der Behandlung neurotischer Kinder gewonnen werden konnten. In dem Maße, wie Psychoanalytiker sich für die Beobachtung gesunder Kinder zu interessieren begannen und Entwicklungspsychologen der Bedeutung dynamischer Prozesse für den Entwicklungsverlauf innewurden, vollzog sich eine Annäherung zwischen den beiden Forschungsbereichen, die heute auch hierzulande bemerkbar wird. In der angelsächsischen Welt hat sie den Boden für umfangreiche Forschungsarbeiten bereitet, in deren Zusammenhang Sibylle Escalonas Untersuchungen einzuordnen sind.
In ihrem Buch legt die Autorin die Resultate einer zwanzigjährigen Arbeit vor, die der Fragestellung nach den normalen Entwicklungsvorgängen in den ersten Lebensmonaten des Säuglings gewidmet war, wobei das Hauptaugenmerk sich auf das Zusammenwirken jener Variablen richtete, die in der frühen Persönlichkeitsformung eine Rolle spielen. Konzeptuell werden die Beobachtungsergebnisse in den Zusammenhang der psychoanalytischen Ich-Psychologie gestellt.
Hauptanliegen der Untersuchung war es, 1.) Unterschiede im Verhalten und in den Reaktionstendenzen von Säuglingen bis zum achten Lebensmonat festzustellen, 2.) die Genese dieser Verschiedenheiten zu untersuchen und 3.) der Frage nachzugehen, ob Verhaltensunterschiede, die in dieser frühen Zeit beobachtet werden können, für den weiteren Entwicklungsverlauf eine Rolle spielen