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Die Blütezeit des ersten psychoanalytischen Instituts, sein Niedergang während des nationalsozialistischen Regimes infolge der Emigration fast aller seiner Mitglieder und sein Neuaufbau nach 1950 sind kennzeichnende Ereignisse dreier Phasen der deutschen Geschichte unseres Jahrhunderts. Die Verleugnung dieser Entwicklung läßt heute leicht die Vorstellung aufkommen, die moderne Psychoanalyse sei ein angloamerikanischer Nachkriegsimport, dem man sich unbefragt entziehen oder dem man sich enthusiastisch widmen könne.
Das alte Berliner Psychoanalytische Institut gab den Anstoß zu weltweiten Entwicklungen der Psychoanalyse. Bedeutende Theoretiker und Kliniker wie Karl Abraham„ Otto Fenichel, Theodor Reik, Siegfried Bernfeld, Sandor Rado und Franz Alexander, deren Arbeiten inzwischen zur klassischen psychoanalytischen Literatur gehören, gingen aus diesem Institut hervor. Einige von ihnen schlugen später eigene Wege ein und gründeten (so Karen Horney, Wilhelm Reich und Melanie Klein) Schulen, mit denen sich die Psychoanalyse bis heute produktiv auseinandersetzen muß. Organisatorische Formen, die in Berlin zuerst erprobt worden sind (Ausbildung, psychoanalytische Poliklinik), haben heute internationale Verbreitung gefunden.
Aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestehens des Berliner Instituts haben wir ein Sonderheft zusammengestellt, in dem drei Mitglieder des heutigen Instituts dessen Geschichte erzählen. In der Reihe Aus dem Archiv der Psychoanalyse drucken wir eine Arbeit von Hanns Sachs, einem typischen Vertreter des alten Berliner Instituts nach. Den Abschluß des Heftes bildet der in Berlin gehaltene Festvortrag von Heinz Kohut.