You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Innerhalb der von Alexander Mitscherlich herausgegebenen Reihe „Literatur der Psychoanalyse“ vertritt dieser Band das psychoanalytische Denken in einer bestimmten, relativ frühen Entwicklungsphase. Es war für Sigmund Freud und seine ersten Schüler offenbar außerordentlich faszinierend und bereichernd, die Denkprozesse des Primärvorgangs nicht nur im Traum, in der Phantasie und Symptombildung zu erkennen, sondern sie auch in Kunstwerken, Mythen und Ritualen wiederzufinden. In diesen Arbeiten, 1913 bis 1926 erschienen, hat Jones in sorgfältiger Exegese psychoanalytisches Wissen besonders aus der Zeit des topographischen Modells des psychischen Apparates auf seine Gegenstände angewendet.
Im ersten Aufsatz „Religionspsychologie“ begründet Jones die These, daß religiöse Vorstellungen Projektionen früher Kind-Eltern-Erfahrungen in den Kosmos sind, entstanden aus Hilflosigkeit und dem Wunsch, das Schicksal durch Gehorsam und Sühne günstig zu stimmen. In „Der Gottmensch-Komplex“ schildert er eine bestimmte narzißtische Charakterstruktur, geprägt durch die unbewußte Identifikation mit Gott und die bewußte Abwehr gegen diese Größenphantasie. In „Die Empfängnis der Jungfrau Maria durch das Ohr“ zeigt er, wie diesem Mythos ebenso wie vielen Vorstellungsinhalten anderer Religionen eine kindliche Phantasie zugrunde liegt, die als regressive Abwehr gegen ödipale Konflikte zu verstehen ist, nämlich die phallische Bedeutung des väterlichen Flatus. Diese körpernahen, tabuierten und der Abwehr verfallenden Phantasien werden in einem großartigen Prozeß der Sublimation immer mehr vergeistigt, zum Wind als Geist Gottes oder zum Schall, der Eingang in das Ohr findet, um dort befruchtend zu wirken wie der väterliche Penis im Leib der Mutter. In „Eine psychoanalytische Studie über den Heiligen Geist“ verweist Jones auf die enge Beziehung des Mythos von Tod und Auferstehung Jesu zu bestimmten, im Mittelmeerraum verbreiteten Kulten von Muttergottheiten (Istar, Kybele, Isis u. a.), deren Sohn-G