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J. J. López Ibor legt in diesem umfassenden Werk eine überlegene Darstellung und Untersuchung der bisherigen Neurosenlehre vor, die weder im deutschen noch im anglo-amerikanischen Sprachraum ein vergleichbares Gegenstück aufweist. Der Inhalt gliedert sich in eine Kritik der herkömmlichen, insbesondere freudianischen Neurosenlehre und in eine Darstellung der wichtigsten Ergebnisse auch anderer Auffassungen an Hand der drei großen Neurosen: der Hysterie, Angst- und Zwangsneurosen. Ferner befaßt sich ein Abschnitt mit den Ergebnissen der psychosomatischen Medizin, ein anderer mit den Einflüssen gesellschaftlicher Faktoren auf die Neurosenentstehung.
Dieser zweite Teil des enzyklopädischen Werkes — der allein über 400 Seiten umfaßt — beginnt z. B. in der Darstellung der Angstneurosen mit den noch heute klassischen Beobachtungen Westphals. Bei der Erörterung der Hysterie werden dem Leser neben Freuds Interpretationen auch die Ergebnisse der Schule Charcots und Janets nicht vorenthalten — bis zur Auflösung des Hysteriebegriffs in der modernen klinischen Psychiatrie. Die Frage stellt sich dabei, wieweit überhaupt in der Neurosentheorie von Fortschritt, Differenzierung, Entwicklung gesprochen werden kann — oder ob nicht nur ein Konglomerat von Hypothesen und Meinungen vorliegt, dessen formaler und inhaltlicher Zusammenhang problematisch bleibt. Der durchaus lehrbuchartig angelegte Aufbau und Charakter dieses zweiten Teiles des Werkes impliziert diese Frage angesichts des aufgehäuften Materials — und die Didaktik López Ibors vermittelt nicht nur Wissen, sondern auch die Fragwürdigkeit dieses Wissens. (Eine Übersetzung des Werkes — allerdings in gekürzter Form — wäre wünschenswert.)
López Ibors eigene Interpretation der Neurosen liegt im ersten Teil des Werkes vor. Neurosen sind für ihn — in Anlehnung an die deutsche Psychiatrie, insbesondere an M. Scheler, K. Schneider und L. Binswanger — Gemütskrankheiten, die in erster Linie durch Störungen der Vitalschicht (Scheler) des Ind