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Zunächst muß der nicht informierte Leser, wenn er den Begriff Lernen hört, sich von der Vorstellung, es handle sich um eine Diskussion des weitgehend schulisch orientierten Lernens, freimachen. Lernen in der hier angesprochenen Weise meint alle Formen, in denen ein Lebewesen, insbesondere der Mensch, an den Erfahrungen mit der Umwelt sein Verhalten orientiert. Diese Orientierung beginnt beim Neugeborenen und endet erst mit dem Tode. Wir sagten bewußt, sein Verhalten orientiert, denn der größte Teil der angelsächsischen Psychologie betrachtet nur das Verhalten als Gegenstand der Psychologie; man nennt diese Richtung bekanntlich “Behaviorismus”. Nachdem nun mit Beendigung des 2. Weltkrieges die deutsche Psychologie stark von der angelsächsischen, vorwiegend der amerikanischen, beeinflußt worden ist, wurden die “Lerntheorien” auch zu. einem wesentlichen Bestandteil der deutschen Psychologie.
Für den Psychoanalytiker bestehen zwei bedeutsame Querverbindungen zu den Lerntheorien. Einmal haben die Lerntheorien mit der Analyse das genetische Konzept gemeinsam. In beiden Konzepten wird nicht die Anlage, sondern das, was der Mensch während seiner Kindheit und Jugend erfährt, als das Wesentliche für die Bildung der Persönlichkeit angesehen. So verstanden könnte man auch die Psychoanalyse eine Theorie der Lernvorgänge benennen. Das tut auch der Verfasser, wenn er im letzten (X.) Kapitel dieses Buches die Psychoanalyse Sigmund Freuds unter dem Aspekt der Lerntheorien behandelt. Allerdings ist nicht nur der theoretische Ansatz, sondern vor allem auch der methodische Weg der Lerntheorien und der Psychoanalyse ein sehr divergenter. Alle Lerntheorien bauen auf dem Experiment auf und lassen nur experimentell Ermitteltes gelten, die Psychoanalyse jedoch entwickelte ihre Hypothesen, Thesen und Ergebnisse vorwiegend klinisch. Aus den experimentell ermittelten lerntheoretischen Ergebnissen wurde nun in den letzten zwanzig Jahren eine Form von Therapie, nämlich die “Verhaltenstherapie” od