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Falls der Psychotherapeut den Patienten mit seinem Verstand bloß zu begreifen trachtet, statt sich mit ihm zu verständigen, bleibt ein Abstand zwischen Verstehen und Deutung bestehen, eine Lücke, die er selbst als Erkenntnis- oder Einsichtsvorsprung empfindet. Als Technik reicht die Prozedur dann nicht
über den Begriff einer Behandlung hinaus und wäre hinsichtlich ihrer Richtigkeit und Verläßlichkeit demgemäß zu bewerten. „Verstehen“ wäre aber wohl für diesen Vorgang eine zu anspruchsvolle Bezeichnung. Sie wäre durch angemessenere Termini wie Klassifizierung, Diagnose usw. zu ersetzen. Ein wesentlicher Aspekt menschlichen Verstehens, der in dieser begrenzten Auffassung nicht zur Geltung kommt, ist nämlich, daß es auch danach beurteilt wird, bis zu welchem Grade es erweiterungsfähig ist und ob es für beide Partner letztlich zur Auflösung von Ambiguitäten und zu einem wachsenden Gefühl der Einigung kommt. Der Begriff „objektive Genauigkeit“ spielt in diesem Prozeß des Konvergierens keine Rolle, gleichgültig, ob man ihn positivistisch als Bewerter-Übereinstimmung auffaßt, wie es in der psychodiagnostischen und psychotherapeutischen Forschung meist der Fall ist, oder ob man ihn maskiert als Warnung vor Gegenübertragung, Gegenwiderstand usw. einführt. Für das Verstehen im eigentlich menschlichen Sinne ist die Quelle einer Einsicht ebensowenig relevant wie ihre technische Präzision; letztere wird in der Interaktionspsychologie durch zunehmende Übereinstimmung in der Interpretation der Bedeutungen ersetzt. Worauf es ankommt, ist demnach die „Situation“ oder „Szene“, in der das Verständnis aufkeimt, und der Erlebnisgehalt, den die Situation oder Szene aufnehmen kann.
Das vorliegende Buch geht, obwohl hauptsächlich klinisch orientiert, über den klinischen Rahmen hinaus und öffnet neue Ausblicke auf die Entwicklung und Dynamik menschlichen Verstehens. Seine außerordentliche Bedeutung liegt in den begrifflichen und technischen Maßstäben, die es für das Erstinterview setzt; ab