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Erst die zweite Hälfte des Buches von Dieter Claessens beschäftigt sich mit Instinkt, Psyche und Geltung unmittelbar; die erste ist dem Referat von Bestandteilen der Theorien von Scheler, Plessner, Gehlen, Lorenz, Legewie, Freud, Alsberg und Miller gewidmet. Seiner Intention nach ist das Buch gegen die Gehlensche These von der Offenheit, Plastizität und der damit gegebenen Gefährdung
des Menschen gerichtet. Die These gründet insbesondere auf der Einsicht in die Entlassung des Menschen aus der Instinktbindung, und aus ihr folgt bei Gehlen so etwas wie die Legitimität jeglicher institutionellen Gewalt. Dagegen möchte Claessens zeigen, was an Instinktivem im Menschen noch wirksam, das heißt inwieweit er nicht offen und somit nicht gefährdet ist. Das hängt mit dem Selbstverständnis des Autors als eines Liberalen oder Linksliberalen zusammen. Er wendet sich gegen jenen Widerstand, „der als ‘Revolution von rechts’ nur auf den Orgasmus im Kampf zielt“ (Seite 18), gegen den rückwärts gerichteten Blick der heutigen philosophischen Anthropologie, und er hält ökonomische Interpretationen von gesellschaftlichen Tatbeständen nicht für abwegig. Gleichzeitig bedeutet die Intention des Buches eine Wiederaufnahme der unter dem Titel „Anlage und Umwelt“ geführten Diskussion. Da erscheint es als glücklicher Umstand, daß gerade ein Soziologe, der doch berufen ist, jene Unbesonnenheit der Vergangenheit zu vermeiden, alle möglichen Verhaltensweisen als angeboren zu behaupten, eine Bestandsaufnahme der menschlichen Instinkte geben will. Seiner kritischen Absicht entsprechend erörtert Claessens ausführlich die (Herder-) Gehlensche Theorie vom Menschen als Mängelwesen, die zeigen will, wie die Menschen gerade die Unzulänglichkeiten ihrer biologischen Konstitution zur Grundlage ihrer Arterhaltung machen. Zu diesem Zweck entwickelt Gehlen, unter anderem, die Begriffe der Urphantasie, des ideativen Bewußtseins und der idée directrice, welche die Entstehung von entlastenden Institutionen eins