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Die psychologische Aggressionsforschung erfuhr um 1964 ein Maß an Aufmerksamkeit, das in den danach folgenden Jahren zunehmend verlorenging. Erst neuerdings gewinnt dieses Thema im Zuge der Bemühungen um eine koordinierte Friedens- und Konfliktforschung wieder eine größere Bedeutung. So ist Selgs Habilitationsmonographie nicht nur Erfolg auf seinen Appell (S. 9), sondern auch wieder „Ausdruck eines großen Trends“.
Seine persönliche Stellung in der Auseinandersetzung der konkurrierenden Aggressionstheorien umschreibt er: „Gestern galt in der psychologischen Aggressionsforschung noch die Frustrations-Aggressions-Hypothese, sie wird in der weiteren Öffentlichkeit auch noch bis morgen verkündet werden, aber sie ist heute bereits überholt; gestern galten ‚Katharsis‘- und ‚Sündenbock‘-Hypothesen, heute verlangen experimentelle Befunde nach differenzierteren Erklärungen. Gestern erklärte ein Trieb alle Aggression, heute ist er populär — und zugleich anachronistisch, dank einer Forschungsweise, welche distanziert nach experimentellen Belegen verlangt.“ (S. 162.)
Im ersten Teil des Buches gibt der Verfasser in einer historischen Einleitung eine Übersicht über die systematische Aggressionsforschung seit Beginn dieses Jahrhunderts. Nach einer ausführlichen Beschreibung tiefenpsychologischer Theorien (Freud, Adler), experimentalpsychologischer Beiträge amerikanischer Autoren (Dollard, Doob, Miller, Mowrer, Sears und den späteren Bandura, Buss, Berkowitz u. a.) und behavioristischer Aggressionskonzeptionen kommt er nach einer umfassenden Diskussion der verschiedenen Definitionsmöglichkeiten zu der Bestimmung: „Aggressivität (ist) als relativ überdauernde Bereitschaft zu aggressiven Verhaltensweisen zu sehen“ (Seite 26) und „Eine Aggression besteht in einem gegen einen Organismus oder ein Organismussurrogat gerichteten Austeilen schädigender Reize …; eine Aggression kann positiv (von der Kultur gebilligt) oder negativ (mißbilligt) sein“ (Seite 22). Eine Übersicht über die Problemat