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Ich stütze mich auf die Beobachtung von zwei Homosexuellen, von denen der zweite sieben Jahre in einer intensiven Behandlung bei mir war; die Änderung des Identitätsgefühls war in der letzten Phase der Analyse bei beiden so weit zu beobachten, daß ich mir eine Vorstellung von ihnen machen konnte.
Zu Beginn der Analyse befand sich der eine Patient in mittleren Jahren; er war wenig übertragungsfähig, die Gefühle, die er mir zeigte, oszillierten zwischen sadistischen und unterwürfigen Regungen. Bezogen auf die Phase der Libidoentwicklung schwankte er zwischen analen und phallischen Impulsen. Erst gegen Ende der Analyse machten sie oralen, und zwar depressiv gefärbten Strebungen Platz. In bezug auf das Objekt verkörperte ich zuerst einen in konsistenten Vater, der teils mit Gefühlen des negativen Ödipuskomplexes erlebt wurde; teils begegnete mir der Patient mit außerordentlicher Furcht, mit Haß und Kastrationswünschen.
Erst allmählich stellte sich eine Übertragung her, bei der die auf das Objekt gerichteten Züge gegenüber den narzißtischen hervortraten. Man konnte schließlich beobachten, wie die narzißtischen Züge, die ständig zwischen einem Kleinheitswahn und passageren Größenvorstellungen hin- und herpendelten, sich änderten. Warum sie sich geändert
Page 74haben, ist schwer zu sagen. Aber der Eindruck einer Änderung der Identität war sehr deutlich. Offensichtlich ertrug es der Patient nicht mehr, mich nur als Hilfsobjekt zu sehen, sondern er wollte mich entweder lieben oder hassen.
Zur Änderung seines Gefühls trug ferner bei, daß sich seine orgastischen Erlebnisse wandelten. Er war ein Homosexueller, der zu orgastischen Erlebnissen nurmehr bei der Masturbation oder mit Frauen fähig war. Diese Änderung wurde im Laufe von zwei Jahren noch gelegentlich gestört, wenn er wieder in eine depressive Phase mit Kleinheitswahn geriet. Die rekonstruktive Phantasie, die seinerzeit in der frühen Kindheit nach seinem und auch nach meinem Urteil zur ersten Ausbildung der Homosexualität geführ