You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eriksons Werk über „Gandhis Wahrheit“ will als das eines Klinikers (Seite 403), als das eines Psycho-Historikers (Seite 55) verstanden werden. Es ist also weder eine historisch-politische Untersuchung noch eine soziologische Studie. Es ist aber auch keine „Psycho-Hagiographie“, wie ein bedeutender Kritiker, G. Gorer (The Observer Review, 4. Januar 1970), unterstellt, denn nirgends werden menschlich-allzumenschliche Seiten, z. B. zwanghaft-neurotische Züge Gandhis oder seine extreme Triebfeindlichkeit, verschwiegen (siehe insbesondere Seite 237/238, Seite 404). Erikson geht es vielmehr darum zu zeigen, wie biographische Daten und Lebensbedingungen sich mit der Gesamtsituation einer Gruppe, einer Nation verflechten, so daß aus persönlichen Problemen, infantilen Phantasien und familiären Konflikten (Seite 113, 315) weltweite Umwälzungen und Lösungen resultieren; wie in historischen Situationen innere Konflikte zu, einer zusätzlichen Triebkraft werden können, so daß „der große Führer, der durch ‚die Wahrheit der Aktion‘ seine Führerschaft legitimiert (Seite 433), für sich und für viele andere neue Möglichkeiten (choices) und neue Verpflichtungen (cares) schafft“ (Seite 395). Um in die hier herrschenden verwickelten Beziehungen Licht zu bringen, verfolgt Erikson Gandhis Leben von seiner Geburt bis zu dem heute schon legendären „Marsch ans Meer“ , der der ganzen Welt das schlimme Schauspiel vom „Kampf“ zwischen radikaler Gewaltanwendung und radikal passivem Widerstand demonstrierte, an Hand von zahlreichen dokumentarischen Texten und persönlichen Gesprächen mit Gandhis Zeitgenossen, besonders mit jenen, die Zeuge und Teilnehmer des ersten Fastens des Mahatmas waren, das er 1918 im Rahmen eines Lohnstreiks in der alten Industriestadt Ahmedabad durchführte.
Erikson konzentriert seine Untersuchungen insbesondere auf die folgenden Probleme: (1) Gandhis fundamentale Identifikation mit der Rolle der Mutter (Seite 116, 129, 402), die unter anderem für seine politisch wichtige Fä