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Socarides ‚Werk „Der offen Homosexuelle“ 1 erhebt den Anspruch, eine „in sich geschlossene medizinische Arbeit“ zu sein und eine „exakte Theorie über den Ursprung der Homosexualität“ (Seite 17) zu bieten. Im Zentrum dieser Theorie stehen zwei bedeutsame Differenzierungen des von Freud entwickelten Schemas der psychosexuellen Entwicklung. Die erste Differenzierung ist die von Sachs 1932 ausgearbeitete Theorie über die Genese der Perversion. Danach bezeichnet die Perversion weder eine schlichte „Fixierungsstelle“ des Partialtriebes noch eine einfahe Regression auf diese Fixierungsstelle anläßlich traumatisch erlebter Erfahrungen oder Entwicklungsforderungen. Die Perversionsbildung ist vielmehr immer das Resultat eines speziellen Abwehrkompromisses: ein Teil der frühkindlichen Triebbildung und der an sie gebundenen Phantasien wird in den Dienst der Verdrängung genommen — im Fall der späteren homosexuellen „Perversion“: die homosexuellen Triebstrebungen — und erhält so die Funktion, den größeren, restlichen Teil der präödipalen und ödipalen Strebungen und der an sie gebundenen Ängste zu verdrängen und dauernd in der Verdrängung zu halten. Entsprechend dem damaligen Stand der theoretischen Entwicklung stand im Mittelpunkt der Verdrängungsleistung, die der Perversion zugeschrieben wurde, der Ödipuskomplex.
Die zweite Differenzierung richtet sich unmittelbar gegen den Ödipuskomplex als den Kernkomplex der Homosexualität. Dieser zweiten Differenzierung zufolge steht im Mittelpunkt des homosexuellen Abwehrkompromisses nicht die Verdrängung des Ödipus- und Kastrationskomplexes, sondern des präödipalen Wunsches, mit der Mutter zu verschmelzen. Diese Regression auf die symbiotische Phase mobilisiert mächtige Triebgefahren, bis hin zur totalen Vernichtungsangst. Als eigentlichen Auslöser der Homosexualität isoliert Socarides das Scheitern der Trennung des Kindes von der Mutter am Ende der ersten, undifferenzierten Phase der Mutter-Kind-Einheit.
Die spätere Homosexualität ist demzu