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Reimut Reiches Kritik an Socarides' Buch umfaßt zwei Teile: einen ersten Teil, in dem Reiche die theoretische Position Socarides' analysiert und zusammenfaßt, und einen zweiten Teil, worin er dessen tiefere Absichten aufgreift, so wie er, Reiche, sie versteht. Die beiden Teile haben einen, wenngleich losen, inneren Zusammenhalt. Ihr Ton und die allgemeine Stoßrichtung hingegen sind verschieden. Während Reiche im ersten Teil eine unparteiische, ausgeglichene Darstellung der psychoanalytischen Position von Socarides zu geben versucht, wird er im zweiten Teil zum Polemiker. Er „entlarvt“ Socarides — den Psychonanalytiker und Therapeuten von Homosexuellen — als fanatischen, obschon getarnten Antihomosexuellen, der eifrig bestrebt ist, den Homosexuellen einen Krankheitsstatus zuzuschreiben und sie zu „heilen“, und zwar entgegen dem ausdrücklichen Wunsch und Selbstverständnis vieler Homosexueller. So benutzt Socarides — folgt man Reiche — die analytische Theorie als ideologische Waffe, um eine ohnehin bereits benachteiligte Minderheit dingfest zu machen, zu unterdrücken und zu bedrängen. Indem er das tut, frisiert und pervertiert er diese Theorie. Denn Socarides — wiederum nach Reiche — eliminiert nun die Vorstellung einer „latenten Homosexualität“, die es Analytikern bisher erlaubte, die in allen Menschen zum Zuge kommende dynamische Interaktion homo- und heterosexueller Strebungen begrifflich zu fassen. Durch die „Nivellierung“ dieses Aspekts der analytischen Theorie verwehrt er dem „ich-syntonen Homosexuellen“, d. h. dem Homosexuellen, der das homosexuelle Potential seiner bisexuellen condition humaine entwickelt und gefestigt hat, jede — theoretische oder moralische — Stätte. Das Recht auf seinen eigenen Lebensstil, so argumentiert Reiche, wird ihm von Socarides abgesprochen — dem Analytiker von Homosexuellen, der sich in einen Ideologen und verkappten Verfolger verwandelt hat.
Anstatt auf Reiches Anschuldigungen Punkt für Punkt einzugehen, will ich mich im folgenden a