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Stierlin erörtert Hölderlins Lebensschicksal und einige seiner dichterischen Motive vor dem Hintergrund der neueren Schizophrenieforschung. Am lebensgeschichtlichen Ursprung der mit ästhetischer Produktivität gepaarten schizophrenen Störung steht häufig eine Mutter, in deren Reaktionen zarte Antwortbereitschaft, Unfähigkeit zur Einfühlung und versklavende Bindung sich mischen. Die Sehnsucht nach Wiedervereinigung mit der Mutter, die zugleich gefürchtet (weil mit dem Tcd identifiziert) wird, ist häufig der Basiskonflikt von Schizophrenen. Hölderlin hat sie im “Tod des Empedokles” gestaltet. Die Dichtungen seiner überaus produktiven “Spät”-Phase (zwischen seinem Ausscheiden aus dem Hause Gontard und seiner Umnachtung) zeigen die unauflösliche Verschränkung selbstheilender und destruktiver Prozesse.