You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zwischen Eisslers großer, zweibändiger Studie über Goethe und der vorliegenden, gleichfalls sehr umfangreichen psychoanalytischen Untersuchung über Shakespeares “Hamlet” liegen acht Jahre. Man darf nach Durcharbeitung dieses ausgreifenden und bedeutenden “Diskurses” annehmen, daß es Jahre der Arbeit und Vorbereitung gewesen sind. Mehr noch: der Leser hat es offensichtlich nicht zu tun mit dem Übergang des Psychoanalytikers und Literaturforschers von einem bedeutenden Thema (Goethe) zu einem anderen, nicht minder attraktiven (Shakespeare), sondern mit einem zweiten Buch zum — weitgehend — gleichen Thema.
So merkwürdig es nämlich auf den ersten Blick anmuten mag: auf weite Strecken hin ist auch der “Discourse on Hamlet and Hamlet” eine psychoanalytische Studie über Goethes Leben und Schaffen.
Das mag den Germanisten weniger überraschen als den Psychoanalytiker, der sich in Eisslers Gedankengänge einarbeiten möchte. Bereits das Goethebuch Eisslers (”Goethe. A psychoanalytic study. [1775-1786].” 2 Bde., Detroit. Wayne State University Press, 1963), eine der wichtigsten Arbeiten zur neueren Goetheforschung, hatte jenes Zentralthema behandelt, das auch die marxistische Goetheforschung seit Franz Mehring und Georg Lukács immer wieder beschäftigt hat: das erste Weimarer Jahrzehnt eines jungen Schriftstellers der bürgerlichen Gesellschaftsrevolte, der zum Hofmann geworden war, gleichzeitig aber Gesellschaftsreformer zu bleiben gedachte. Am Ende stand der Zusammenbruch von Illusionen, denen Torquato Tassos vergleichbar, stand die Flucht nach Italien als Akt eines verzweifelten Ausbrechens.
Die marxistischen Interpretationen vermochten an den gesellschaftlichen Konflikten des Ministers, Rekrutenaushebers, politischen Ratgebers nicht bloß das Scheitern des Sozialreformers zu demonstrieren, sondern auch eine Antwort auf die für alle Beschäftigung mit Goethes Dichtung so zentrale Frage zu geben: warum der leicht arbeitende und erfolgreiche junge Autor des “Götz” und “Werther” in jen