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Die psychoanalytische Annahme, daß das Es keine spezifische Organisation besitze, wird revidiert. Jenseits der durch Ichleistungen aufgebauten objektiv-realen Wirklichkeit und jenseits auch der Ich-Archaismen, die Freud unter dem Namen „Primärprozeß“ beschrieb, existiert eine phylogenetisch ältere Es-Form der Realitätserfassung. Ihre Funktionsregeln haben sich unter dem Selektionsdruck entwickelt. Sie waren — und sind es z. T. jetzt noch — der Umwelt angepaßt, dienen der Arterhaltung und schließen eine strenge Ordnung eigener Art in sich. Im Ich hingegen bilden sich mit dem reizautonomen Vorstellungvermögen, mit der Fähigkeit zur reflexiven Abstraktion und mit Hilfe von Lernprozessen konzeptuelle Strukturen und rationale Operationsregeln, die eine logisch-mathematische Erfassung der Wirklichkeit ermöglichen. Zwischen den beiden heterogenen Ordnungen im Es und Ich besteht Unvereinbarkeit, Inkommensurabililität. Die Gesetze im Es sind a-rational und lassen sich nicht bruchlos in logische Kategorien umsetzen. Die Mutter verhält sich dem Kind gegenüber in der Dyade zunächst gemäß der „kreatürlichen“ Es-Form der Objektbeziehung. Nur so kann sie ihm die Illusion einer Übereinstimmung des allmählich aufgebauten objektiv-realistischen Mutterbildes mit dem hereditär-subjektiv-psychischen vermitteln und die Kluft zwischen den beiden Bereichen partiell überbrücken. Im so geschaffenen Interaktionsfeld zwischen der phylogenetisch älteren und der jüngeren Organisation erlangen bestimmte (rationale) Ich-Inhalte magischen und symbolischen Charakter. Sie werden mit einem Bedeutungsgehalt beladen, dessen irrationale Überzeugungskraft ihnen vom Es zufließt, und sie bilden die Matrix für kollektive illusionäre Gewißheiten — Wahngewißheiten, welche die Menschen auf eine spezifisch menschliche Weise miteinander verbinden oder verfeinden.