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Der Hauptlehrer Ernst Wagner gehört zu jenen profilierten Patientengestalten, die sich in die psychiatrische Wissenschaftsgeschichte nachdrücklich eingetragen haben. Für die Tübinger Schule und darüber hinaus für die Paranoialehre überhaupt hat er — mutatis mutandis — eine ähnliche Rolle gespielt wie die „Denkwürdigkeiten“ Schebers für die psychoanalytische Psychosendiskussion.
Die Lebensgeschichte Wagners darf als bekannt vorausgesetzt werden: Nach einem sodomitischen Akt des jungen Lehrers (der unbemerkt geblieben war) bildete sich ein schleichend anschwellender Wahn, von den Bewohnern jenes Dorfes — über mehrere Versetzungsstationen hinweg — verfolgt zu werden. Der Wahn machte sich schließlich Luft in einem Mordbrennerangriff auf die Gemeinde. Robert Gaupp, damals Tübinger Ordinarius für Psychiatrie, übernahm die Begutachtung des Falles, der ihn ein Leben lang immer wieder beschäftigt hat. Während seiner Internierung in einem württembergischen psychiatrischen Landeskrankenhaus hat Wagner ein Drama geschrieben, das umso bemerkenswerter ist, als es sich unter dem Titel „Wahn“ mit dem Ende Ludwigs II. von Bayern befaßt.
Schon diese wenigen Daten lassen keinen Zweifel, daß wir ein höchst interessantes Dokument vor uns haben. Müller-Suur hat von Robert Gaupp das Drama erhalten und an Gunter Hofer zur Bearbeitung weitergegeben.
Hofer hat diesen Text — neben anderen Materialien Wahnkranker — im Zuge einer phänomenologischen Untersuchung als Darstellung der Lebenswelt Wagners ausgelegt. Er hat in seiner Exegese das Werk subtil in einer Weise erschlossen, die auch denjenigen beeindruckt, der die Grenzen der phänomenologischen Auslegung empfindet. Auf den Unterschied der phänomenologischen Analyse der Lebenswelt des Patienten zur Hermeneutik psychoanalytischer Kasuistik braucht hier nicht hingewiesen zu werden. Zumindest aber in der Ausgangsebene — der Beachtung der konkreten Besonderheit des einzelnen — besteht die eine Gemeinsamkeit, die Äußerung des Patienten im Detail ern