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Wir veröffentlichen hier zum ersten Male in deutscher Sprache einen Auszug aus dem Protokoll des von der „Kommission zur Erhebung militärischer Pflichtverletzung“ im Oktober 1920 gegen den bekannten Psychiater Wagner-Jauregg durchgeführten Untersuchungsverfahrens wegen des Verdachts, an der Mißhandlung sog. Kriegsneurotiker mitschuldig geworden zu sein. Zu Beginn von Freuds Einvernahme am 14. 10. 1920 verlas er das von ihm am 23. 2. 1920 formulierte Gutachten zur Frage der Tauglichkeit der während des Krieges in großem Maßstab an Kriegsneurotikern praktizierten Faradisierung. In der anschließenden Debatte mit Wagner-Jauregg und dem Vorsitzenden der Kommission wird seine Position noch schärfer umrissen.
Im Text des Freud-Gutachtens (von dem wir die erste und vorletzte Seite auch als Faksimile reproduzieren) haben wir Rechtschreibung und Zeichensetzung an wenigen Stellen modernisiert, Abkürzungen ausgeschrieben, sowie einen Schreibfehler Freuds, der den Budapester Psychoanalytischen Kongreß in das Jahr 1818 zurückdatiert, berichtigt.
Das Material wurde uns dankenswerterweise von Frau Prof. Dr. Renée Gicklhorn, Wien, zur Verfügung gestellt, die es auch übernahm, eine sachkundige Einleitung zu dem Protokollauszug zu verfassen.
Nach Beendigung des 1. Weltkrieges 1918 und dem Zusammenbruch der Österreich-ungarischen Monarchie herrschten in Wien chaotische Verhältnisse. Die vielen Geschädigten suchten die Schuldigen an der Katastrophe. Besonders Militärpersonen, die wegen wirklicher und simulierter Leiden in den psychiatrischen Abteilungen der Kliniken und Militärspitäler behandelt worden waren, erhoben Anklage gegen deren Leiter. Davon wurde auch Prof. Dr. Wagner-Jauregg betroffen, in dessen Klinik Tausende solcher Kranker nach verschiedenen Methoden behandelt worden waren. Insbesonders ein Reserveleutnant Walter Kauders beschwerte sich über die Anwendung von elektrischen Strömen eines Faraday-Apparates,