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Der Tod trennt; aber es gibt tröstende Umstände, je weniger unsere Erinnerungen an den Toten getrübt werden vom eigenen Narzißmus und dem des Toten. Vielleicht ist Dankbarkeit das dauerhafteste Motiv, um die Beziehung zu einem Menschen über den Tod hinaus zu erhalten. Ich fühle mich Michael Balint unvermindert in Dankbarkeit verbunden. Da er nie Ansprüche auf Dankbarkeit erhoben hat, wurde sie nie zu einer Last im Verkehr mit ihm.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich oft an eine Szene vom Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in Zürich. Für einen Deutschen war die Situation nicht einfach, auch wenn er ein aktiver Gegner des Nazismus gewesen war. Einer Gruppe deutscher Analytiker wurde damals die Aufnahme in die IPA versagt; eine andere wurde eher widerwillig als erfreut aufgenommen. Selbst fühlte man sich nicht allein mitbetroffen von den ungeheuerlichen Verbrechen, welche die eigene Gesellschaft nicht verhindern konnte; man war auch wissenschaftlich rückständig und hatte auf der Ebene, in der sich die englischen und amerikanischen Kollegen verständigten, nur wenig beizutragen. Nach dem Ende der Vorträge ging ich an einem der Kongreßtage mit meinem Freunde, dem Schweizer Analytiker Gustav Bally, auf der Bahnhofstraße spazieren. Natürlich war damals die Freude, alte Freunde wiederzusehen, groß, aber das enorme Elend, welches die Naziherrschaft hinterlassen hatte, der Tod so vieler gemeinsamer Freunde und Bekannten ließ uns immer wieder bei der unbeantwortbaren Frage anlangen, warum man selbst überleben durfte, warum es den anderen verwehrt war.
In dieser Stimmung begegnete uns Michael Balint. Bally stellte mich ihm vor. Bald befanden wir uns in einem lebhaften Gespräch, von dem ich nur noch erinnere, daß es sich auch auf die Zeitschrift Psyche bezog. Ich hatte sie zusammen mit H. Kunz und Felix Schottländer zwei Jahre zuvor gegründet. Wir hatten die echt pazifistische Traumidee, wir könnten die Zeitschrift allen Schulen der Tiefenpsychologie öffnen, ein gewis