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Wenn wir uns auf diesem Kongreß mit Aggression beschäftigen, so befinden wir uns in Gesellschaft vieler anderer Verhaltenswissenschaftler, die sich gleichfalls diesem entscheidenden sozialen Problem widmen. Bei Freud dauerte es fast bis zum letzten Viertel seines Lebens und brauchte es die Erfahrungen des ersten Weltkrieges, ehe er neben den Schicksalen der Liebestriebe auch den Problemen der Aggression und den vielen, ubiquitären Erscheinungen „jenseits des Lustprinzips“ seine Aufmerksamkeit zuwandte. Ähnlich war es in der psychoanalytischen Forschung insgesamt, wo es auch, verglichen mit den libidinösen Triebstrebungen, erst verhältnismäßig spät zu einer systematischen Beschäftigung mit der Aggression, zur Beschreibung ihrer Genese und zur klaren nosologischen Erfassung kam. Aber wie heftig auch gegen die Enthüllung der tabuierten Seiten des Liebestriebes gekämpft worden ist, der Widerstand gegen die Bloßlegung der aggressiven Neigungen des Menschen dürfte sich als noch zäher erweisen und mit noch primitiveren Mitteln geführt werden. Vielleicht empfindet der Mensch im Grunde wegen des einen bloß Scham, während er die anderen fürchtet. Beruht nicht die Angst vor sexuellen Ausschreitungen auch auf der Furcht vor aggressiver Vergeltung?
Die Probleme, denen man beim Studium der Aggression gegenübersteht, sind kaleidoskopisch, und wir können von den Diskussionen dieser Woche kaum mehr als kleine Schritte in Richtung ihrer Lösung erwarten. Die am häufigsten diskutierte Frage, ob die Aggression ein Trieb oder eine Reaktion ist, kann auf der Grundlage empirischer Befunde wahrscheinlich nicht überzeugend beantwortet werden; ihr ubiquitäres Vorkommen, ihre diktatorisch fordernde Natur sind nach Rapaport (1960) jedoch ausreichende Kriterien, um sie in der psychoanalytischen Theorie wie einen Trieb zu behandeln. Von den direkten Akten bei sadistischen sexuellen Perversionen bis zum Völkermord und den Kriegsgreueln hat die Aggression immer zur durchschnittlich zu erwartenden —