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Bemerkungen zu dem Buch von Paul Roazen „Brother Animal — The Story of Freud and Tausk“*
Dieses Buch gibt vor, eine sine ira et studio unternommene, gelehrte Untersuchung einer frühen Phase der Geschichte der psychoanalytischen Bewegung und der wichtigsten mit ihr verbundenen Persönlichkeiten zu sein. Aber der skurrile Titel verrät Ziel und Zweck deutlicher. Er erhellt von Anfang an die Manier, in der das Buch geschrieben ist: cum ira et studio. An vielen Stellen des Textes wird ein anklagender Zeigefinger — manchmal direkt, häufiger implizit und in Anspielungen — gegen Sigmund Freud, den Begründer der. Psychoanalyse, erhoben. Dies allein erfordert aufmerksames Lesen.
Das Schreiben von Biographien, eines der ältesten literarischen. Vorhaben, nimmt in der Geschichte intellektueller Bestrebungen einen wichtigen Platz ein. Von der zeitgenössischen Überfülle biographischer — und pseudobiographischer — Untersuchungen zurück zu Plutarchs Leben und in gewissem Sinne noch weiter zurück zu den Dichtungen Homers, den biblischen Berichten in den Büchern Genesis, Könige oder Richter und den antiken Chroniken in Hieroglyphen oder Keilschrift reicht die lange Reihe literarischer Versuche, Dramatik, Hoffnungen, Konflikte, Mühsal, Höhen und Tiefen eines menschlichen Lebens zu bewahren und in Aufzeichnungen der Nachwelt zu überliefern. Nach Ortega y Gasset ist die Biographie eine der „höchsten literarischen Formen“. Sie kann auch eine der voreingenommensten und verwerflichsten literarischen Praktiken sein.
Das Schreiben von Biographien war stets bestimmten Gefahren ausgesetzt. Einige davon sind wohlbekannt. Freud selbst nannte mehrere: „Wer Biograph wird, verpflichtet sich zur Lüge, zur Verheimlichung, Heuchelei, Schönfärberei und selbst zur Verhehlung seines Unverständnisses …“ Obgleich das tatsächlich in einem Brief an Arnold Zweig aus dem Jahre 1936 steht, ist kaum anzunehmen, daß Freud damit schon prophetisch auf die 33 Jahre später erfolgte Veröffentlichung von Brother Animal ange