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Chertok interpretiert, gestützt auf die bisher veröffentlichten Freud-Briefe und andere Zeugnisse, die während dessen Paris-Aufenthalt durchlebte Krise, deren Lösung die Umorientierung seines wissenschaftlichen Interesses auf Psychologie erbrachte, als Konfrontation mit der Sexualität in einer Phase erzwungener Abstinenz (Neurasthenie). Breuer hatte auf die Manifestation der Übertragungsliebe bei seiner berühmten Patientin Anna O. mit einer Flucht reagiert; Charcot hingegen bewältigte das sexuelle Agieren seiner hysterischen Patienten durch seine (offizielle) Theorie der Hysterie, die diese Phänomene depersonalisierte, neutralisierte. Über die Identifikation mit Charcot gelang es Freud dann ein Jahrzehnt später, mittels seiner Selbstanalyse zur sexuellen Ätiologie der Neurosen vorzustoßen.
„… Charcot … reißt meine Ansichten und Absichten einfach um.“ (Brief vom 24. 11. 1885)
„Der Übergang von der Physiologie zur Psychologie bedeutete für Freud mehr als bloß einen intellektuellen Wechsel des Standpunktes. Er bewies gleichzeitig das erwachende Verständnis für die Tiefen seiner eigenen Persönlichkeit, die seit Jahren verschüttet gewesen waren. Das Ringen muß titanisch gewesen sein“ (Jones I, S. 336).