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Deutschsprachige Autoren schenken dem Modell der Kibbuz-Erziehung im Vergleich zu Forschern aus dem angelsächsischen Bereich wenig Beachtung. In Sammeldarstellungen der Entwicklungspsychologie wird die Kibbuz-Erziehung bisweilen der traditionellen Familienerziehung gegenübergestellt und in die Nähe von Heimerziehung und Hospitalismus gerückt. Gerade deshalb ist es bedauerlich, daß in der Rezension von D. Röhr* die bekannten Vorurteile apologetisch gewendet wieder auftauchen, und daß sich die Behauptungen der Rezensentin — auch anhand der von ihr referierten Literatur — nicht aufrechterhalten lassen. Röhr behauptet im einzelnen:
Das Modell der Kibbuz-Erziehung beweist, daß die Eltern-Kind-Beziehung ohne Schaden für das Kind aufgehoben und durch die Hinwendung des Kindes zur Altersgruppe ersetzt werden kann.
Die Erziehung im Kibbuz ist konfliktfrei; Verhaltensprobleme treten daher nicht auf. Wo sie in Berichten beschrieben werden, entspringt diese Beurteilung dem kulturell vorgeprägten Verständnis des Beobachters, was als normales Verhalten zu gelten habe.
Der Preis für das konfliktfreie Heranwachsen ist das Fehlen einer eigenständigen Überich-Instanz und kritischer Ich-Funktionen.
Diese Behauptungen sollen kurz mit den über die Erziehung des Kleinkindes im Kibbuz bekannten Fakten verglichen werden. Eine Schwierigkeit bei der Beschreibung des Kibbuz-Modells besteht darin, daß es nicht nur je nach Standpunkt des jeweiligen Autors unterschiedlich beschrieben wird, sondern daß auch der Gegenstand der Beschreibung selbst von Ort zu Ort und zu verschiedenen Zeiten gründlich sein Gesicht verändert. Unsere Darstellung muß sich daher auf einige typische und für die meisten Kibbuzim konstitutive Merkmale beschränken.
ad 1) Die Trennung des Kibbuz-Kindes von seiner Mutter und der Familie ist nie eine vollständige. Bis zum 6. oder 8. Monat wird es von seiner Mutter gestillt oder von ihr mit der Flasche ernährt. Während dieser Zeit wohnt es im Säuglingsheim, wo auf möglichst ungestört