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Der berühmte englische Kunstkritiker Herbert Read mißt den Wert eines Kunstwerks daran, inwieweit es eine Gemütsbewegung symbolisch auszudrücken vermag. Er schrieb , die Ästhetik müsse sich u. a. auf eine Tiefenpsychologie stützen, die imstande sei, die verborgene Symbolik sichtbar zu machen, d. h. das abstrakte, nicht-repräsentanzenhafte Wesen der Symbole zu zeigen. Die Psychoanalyse hat für die Entwicklung der Kunsttheorie ein unentbehrliches Werkzeug geliefert, das den Primat der Form über den Inhalt erkennbar macht.
Gerade in der bildenden Kunst fiel die erste Auswirkung der Psychoanalyse zeitlich mit dem Heraufkommen einer neuen Epoche, einer modernen Revolution zusammen. Im Jahr der Reise Freuds nach Paris, 1885, waren auch Munch und van Gogh dort eingetroffen, Gauguin hatte seine Familie verlassen, der Zöllner Rousseau sein Amt aufgegeben; Renoir und Pisarro sagten sich vom Impressionismus los, Seurat begann, „La Grande Jatte“ zu malen, und Cézanne zog sich mit seinem Erbteil nach Aix zurück. Die moderne Kunst und die Psychoanalyse sind also Altersgenossen.
Obwohl eine genaue Darstellung des Einflusses der Psychoanalyse auf die Entwicklung der modernen Kunst und Kultur noch aussteht, wird in keinem der