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Es versteht sich von selbst, daß Rezensionen nicht objektiv sein können und daß man Objektivität nicht erwarten darf. Doch man muß fordern, daß der wissenschaftliche Rezensent die Arbeit, die er beurteilt, zunächst sine ira et studio liest. Frau Rapoport scheint der Untertitel meiner Anthologie entgangen zu sein, der den historischen Gesichtspunkt betont. Wie es im Vorwort heißt, bringt dieser Band eine Reihe von Beiträgen, die allesamt von „Totem und Tabu“ als der Quelle psychoanalytisch-ethnologischer Hypothesen ausgehen. Ich möchte in diesem Zusammenhang erwähnen, daß selbst recht kritische Aufsätze über Freuds Urhorden-Theorie in der Regel in wissenschaftlich angemessenem Ton gehalten sind und sie nicht einfach als „Phantasiestück“ abtun, wie es Alfred Kroeber, den die Rezensentin zitiert, getan hat.
Frau Rapoport beklagt sich darüber, daß sich Freud (in den Jahren 1911 und 1912, als er „Totem und Tabu“ konzipierte) auf ältere Ethnologen — Frazer und Robertson Smith — stützte. In der englischen Fassung der Rezension heißt es sogar: „anthropologists dead and gone …“. Ich erinnere daran, daß Robertson Smith noch ein Zeitgenosse Freuds war (er starb ), und daß Frazer Freud um zwei Jahre überlebte.
Frau Rapoport bestreitet ferner die Glaubwürdigkeit verschiedener Publikationen von Róheim und Devereux. Ich habe nahezu alle Feld- und Forschungsnotizen Róheims in meinem Besitz. Róheim schreibt einen bisweilen schwierigen Stil; das ist indessen kein Grund, den Autor wissenschaftlicher Unglaubwürdigkeit zu bezichtigen oder ihm etwa betrügerische Feldreportage zu unterschieben.
Frau Rapoport ist der Meinung, daß Kardiners Bücher „große intellektuelle Anregung und beachtliche Fortschritte“ bieten. Ich möchte der analytischen Leserschaft ein Beispiel dieses „Fortschritts“ geben: Dr. Kardiner ist der Ansicht, daß die Eingeborenen der Marquesas-Inseln in Polynesien keinen Ödipuskomplex haben, obwohl er weiß, daß bei diesen Menschen Homosexualität, Transvestismus usw. gang und gä