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In erfreulich kurzer Zeit hat sich die deutsche Rezeption und Diskussion des französischen Strukturalismus, die soeben noch, in auffälliger Gemeinsamkeit der eröffnenden und einführenden Texte, den Gesichtspunkt der „Mode“ zur verständlichen Orientierung hinzunahm, mit diesem neuen Band auf ein Niveau geschwungen, auf dem die Auseinandersetzung mit Lévy-Strauss dessen Intellektualität nicht nachsteht. So ist sie maßstäblich.
Der erreichte Maßstab drückt sich in der Auswahl und Zusammenstellung der — teils aus dem Französischen und Englischen übersetzten, teils originären — Aufsätze aus, die nahezu alle so gleichmäßig überzeugend die Diskussion führen, daß es schwerfällt, einen einzelnen hervorzuheben. Dem Leser dieser Zeitschrift, der sich zum ersten Mal dieser Diskussion — bzw. dem strukturalistischen Denken überhaupt und allgemein — zu nähern wünscht, sei vielleicht als erste Lektüre der Beitrag des englischen Sozialanthropologen Leach empfohlen (kürzlich zur Monographie erweitert und bei dtv erschienen), der vom gemeinsamen völkerkundlichen Handwerk her ein Verständnis Lévy-Strauss' zu vermitteln sucht, sodann der nachfolgende Beitrag von Fleischmann, in dem Lévy-Strauss' theoretische Vorstellung vom „menschlichen Geist“ (esprit, jedoch im Sinne einer unbewußten allgemeinmenschlichen Psyche) entwickelt wird, sowie die vorzügliche Studie von Nagel über Lévy-Strauss „als Leser Freuds“. Auf diese Aufsätze ist um so mehr zu verweisen, als der Leser hier nur auf die Ähnlichkeit zwischen Freuds Beschreibung der Traumarbeit und Lévy-Strauss' Untersuchung des Mythos sowie auf jene Textstelle aus den Traurigen Tropen aufmerksam gemacht werden kann, die in dem vorliegenden Band mehrfach zitiert wird und den Gedanken des Strukturalismus auf die Geologie, den Marxismus und die Psychoanalyse zurückführt: „Alle drei zeigen auf, daß Verstehen darin besteht, einen Typ der Realität auf einen anderen zurückzuführen; daß die wahre Realität niemals die an der Oberfläche sichtbare ist